Alle Kinder brauchen Bücher!

von Eva Christian

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Ein Junge sitzt auf dem Fußboden seines Kinderzimmers, versunken in ein spannendes Buch über die Seefahrt, Piraten und große Schätze. Ein Mädchen liegt im Garten auf der Wiese, vor sich hin lächelnd über die schüchterne Protagonistin ihres Buches, die gerade versucht, ihrem Schwarm zu gestehen, dass sie sich verliebt hat.

Eva Christian, Autorin von Lernhilfen und Kinderbüchern (Foto: privat)

Eva Christian, Autorin von Lernhilfen und Kinderbüchern (c) privat

Manchmal möchte man meinen, dass es in der Realität der Kinder und Jugendlichen von heute statt Büchern nur noch Fernseher, Computer und Smartphone gibt. Gottlob ist dem nicht ganz so. Fragt man Kinder nach ihren Interessen, liegt auf Platz eins Freunde/Freundschaft. Musik und Computerspiele folgen auf den Plätzen zwei und drei. Etwas abgeschlagen liegen dagegen Bücher und Lesen auf Platz zwölf. Doch immerhin geben 14 % der Kinder an, dass sie daran sehr stark interessiert sind, weitere 37 %, dass sie daran interessiert sind.

Warum ist es so wichtig, dass Kinder lesen?

Lesen gehört zu den wichtigsten Schlüsselqualifikationen unserer Zeit. Egal, ob man sich für Bücher interessiert, ohne zu lesen, findet man sich heute schwer zurecht, da die Fähigkeit überall gefordert ist – nicht zuletzt bei der Nutzung der neuen Medien, die die Bücher gerade zu verdrängen drohen. Regelmäßiges Lesen fördert die Lesekompetenz – aber nicht nur das mechanische Lesen, sondern vor allem auch das Textverständnis. Und dieses benötigen wir, um uns in all den unterschiedlichen Textformen, denen wir heute begegnen, zurecht zu finden – mögen dies Romane, Anleitungen, Blogbeiträge oder Kurznachrichten sein.

Erwiesen ist inzwischen auch, dass mit höherer Sprachkompetenz – auch diese wird durch das Lesen gefördert – die Sozialkompetenz gesteigert wird. Kinder, Jugendliche wie auch Erwachsene können Meinungen, Ansichten, aber auch Gefühle besser ausdrücken. Entstehende Konflikte können auf verbalem Weg schneller und einfacher gelöst werden.

Gerade Kinder lernen durch das Lesen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Sie werden unabhängig von der Dauerberieselung durch diverse Medien, lernen zu hinterfragen und entwickeln ihre Urteilsfähigkeit.

Und nicht zuletzt fördert das Lesen die Fantasie wie kaum eine andere Beschäftigung. Leser, junge wie alte, sind gefordert, die Worte auf dem Papier in Bilder und Filme in ihrem Kopf zu übertragen. Vorstellungen und Ideen werden angeregt, Geschichten entwickeln eine Selbstständigkeit, die weit über die Aufnahme in Bildern, wie sie Fernsehen oder Internet bieten, hinausgeht. Dadurch wird Kreativität freigesetzt, die in vielen Bereichen des Lebens genutzt werden kann.

(Foto: manfred walker_pixelio.de)(Foto: manfred walker_pixelio.de)

(c) manfred walker_pixelio.de

Wie werden Kinder zu Lesern?

Je früher Kinder mit Büchern in Kontakt kommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch später noch zu den fleißigen Lesern gehören. Und zu diesen frühen Kontakten gehört nicht zuletzt das Vorlesen. Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder und Jugendliche, denen vorgelesen wurde, zu mehr als 50 % angeben, dass Bücher ihnen Spaß machen (nur 38 % bei Kindern und Jugendlichen, denen nicht vorgelesen wurde). Ebenso ist es mit der Lesehäufigkeit. Hier geben 73 % der Kinder und Jugendlichen, denen vorgelesen wurde, an, dass sie mindestens einmal wöchentlich in einem Buch lesen (bei Kindern und Jugendlichen ohne Vorleseerfahrung sind es 63 %).

Die Stiftung Lesen hat zusammen mit der Deutschen Bundesbahn und der Wochenzeitung DIE ZEIT eine Untersuchung zum Vorlesen in Deutschland angestrengt – mit interessanten Ergebnissen. Erwiesen ist, dass Kinder (aber auch Erwachsene) durch Vorbilder lernen. Allerdings erleben viel zu wenige Kinder, dass ihre Eltern lesen. Der Anteil der Familien, in denen Väter und/oder Mütter täglich oder mehrmals in der Woche Bücher lesen, liegt bei 46 %. Auch erleben Kinder zu selten, dass ihnen vorgelesen wird. In 30 % der Familien mit Kindern im Vorlesealter wird selten oder nie vorgelesen. Dabei fällt die Vorlesehäufigkeit in Familien mit niedrigem Bildungsniveau oder Migrationshintergrund deutlich geringer aus als bei Familien mit hohem Bildungsniveau.

Gesucht sind Vorleser und Lesevorbilder

Um Kinder und Jugendliche zu Bücherwürmern und Leseratten werden zu lassen, sind ganz klar die Erwachsenen gefordert – die Eltern, aber auch alle anderen, die zu den Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen gehören: Großeltern, Paten, Erzieher, Lehrer. Und es reicht nicht aus, Bücher in Mengen zu verschenken. Wird den Kindern nicht vorgelebt, welche Freude Bücher machen können, wird in ihnen das Interesse daran nur selten geweckt. Lesen sollte zur dauerhaften Realität in den Familien werden – Vorlesen ebenso wie eigene Lektüre.

Lesemädchen_by_Rainer Sturm_pixelio.de

(c) Rainer Sturm_pixelio.de

Bücher können dabei schon den Kleinsten nahegebracht werden. Wie viel Freude bereitet es doch kleinen Kindern, gemeinsam mit den Eltern ein Bilderbuch zu betrachten, sich zu erzählen, was zu sehen ist, eigene Geschichten zu den Bildern zu erfinden. Wie sehr freuen sich Kinder über die allabendlich vorgelesene Gute-Nacht-Geschichte – ein Ritual, auf das heute viele Kinder verzichten müssen. Und kommen die Kinder ins Schulalter, können Bücher gemeinsam gelesen werden: eine Seite liest das Kind vor, die nächste Seite ein Elternteil. So gehört das Lesen auch zur gemeinsamen Familienzeit, die die Kinder als immer wertvoller erfahren, da sie in vielen Familien immer geringer wird.

Auch Jugendliche kann man noch durch das Vorbild und Formen des gemeinsamen Lesens an Bücher heranführen. Warum denn nicht das Jugendbuch zur gleichen Zeit lesen wie der Nachwuchs? So kann man über Inhalte diskutieren, gemeinsam überlegen, wie die Geschichten fortgesetzt werden könnten.

Und ganz wichtig: Bei allen Büchern immer auf die Interessen der jungen Leser eingehen. Es gibt Kinder, die mit Fantasiegeschichten wenig anfangen können. Doch das heißt nicht, dass Bücher generell nicht in ihrem Interesse liegen. Die Auswahl an Sachbüchern für Kinder ist groß. Und wenn Kinder und Jugendliche selbst noch nicht wissen, was sie interessiert, so empfehlen sich ausgiebige Besuche in der nächsten Bibliothek. Hier wird beim intensiven Stöbern sicher der richtige Lesestoff entdeckt.

Weitere Infos zur Autorin Eva Christian finden Sie HIER.

Und buchige Geschenk-Tipps für Kinder gibt es HIER.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Hilfe

WordPress theme: Kippis 1.15