Baden-Württemberg: LEB zur Weiterentwicklung der Realschule

Stellungnahme des Landeselternbeirates zur Änderung des Schulgesetztes für Baden-Württemberg zur Weiterentwicklung der Realschule

Freiburg (pm)In seiner Sitzung am 17.06.2015 wurde dem Landeselternbeirat Baden-­Württemberg der Gesetzentwurf vorgestellt.

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(c) Dieter Schütz_pixelio.de

Seit über 10 Jahren sieht der LEB, dass die Hauptschulen und in Folge auch die Werkrealschulen nicht mehr effektiv gefördert werden. Verzweifelte “Rettungsversuche” sind fehlgeschlagen. Dass die Eltern daraufhin „mit den Füßen“ gegen diese Schulart abgestimmt haben, darf nicht verwundern. Schließlich werden verantwortungsvolle Eltern immer die für ihre Kinder bestmögliche und am besten passende Schulart aussuchen.

In diesem Zusammenhang sieht der LEB aber auch ein Versagen der Regionalen Schulentwicklung, die – ohne die vom LEB immer wieder angemahnte echte Elternbeteiligung – zu einem System kommunaler Standortsicherung verkommt.

Dies sind die Rahmenbedingungen, die weitere Änderungen in unserem Schulsystem nötig machen.

Vor diesem Hintergrund stimmt der LEB dem Gesetzentwurf zu, wobei es dem LEB ganz besonders wichtig ist, dass es auf gar keinen Fall zu einer Qualitätsabsenkung bei der Realschule kommen darf.

Viel wird hier von der Ausgestaltung der nachfolgenden Verordnungen abhängen. Zur Ausgestaltung diese nachfolgenden Normen hat der LEB folgende Anmerkungen und Wünsche:

• Wie begründet man die Tatsache, dass man für die Orientierungsstufe 2 Jahre (Klasse 5 und 6) braucht? Hier vermissen wir eine entsprechende pädagogisch/bildungswissenschaftliche Begründung.

• Ist die Zahl der Poolstunden (selbst bei Erreichen des Ziels von 10 Stunden) ausreichend für die überraschend “große” Spreizung der Heterogenität?

• Wenn man in der 9. Klasse bei ausreichender Schülerzahl in großen Realschulen eine “eigene” Klasse auf G-Niveau zur Vorbereitung auf die Hauptschulprüfung zulässt, wie sieht dann die Lösung für kleine Realschulen aus?

• Die Erhöhung in der Kontigentstundentafel bei der 2. Fremdsprache um 2 zusätzliche Stunden begrüßen wir ausdrücklich.

• Wenn besonders begabte Schüler nach E-Niveau unterrichtet werden und wir dafür über eine “Zertifizierung” (auch in Form eines Vermerks im Zeugnis) sprechen, geht es uns nicht um eine weitere Form des Abiturs. Wir denken hier eher an den Bereich “Bewerbung” für eine Ausbildung. Gleichwohl sehen wir, dass die Einführung eines zertifizierten E-Niveaus auch „Begehrlichkeiten“ bei den weiterführenden Schulen, wie z.B. den beruflichen Gymnasien wecken könnte. Eine Zugangsvoraussetzung „mindestens eine gewisse Anzahl von zertifizierten Fächern im E-­Niveau“ wäre für den LEB völlig inakzeptabel.

• Bei der Darstellung der Realschule nach außen, z.B. bei “Info 4″, sehen wir einen Verbesserungsbedarf der Öffentlichkeitsarbeit.

• Dass man in der Realschule in der 9. Klasse die Hauptschulprüfung ablegen kann begrüßen wir. Der LEB begrüßt diesen Hauptschulabschluss mit Qualität und insbesondere, dass der Weg zum Realschulabschluss offen ist. Die Voraussetzungen die Schüler dann aber erfüllen müssen, um anschließend in der 10. Klasse den Realschulabschluss ablegen zu können, sind derzeit leider noch nicht bekannt.

• Für uns ist und bleibt das Ziel der Realschule weiterhin der Realschulabschluss; deshalb sollten möglichst alle Schüler mit entsprechend durch Ressourcen unterlegten Unterstützungsangeboten auf “M-­Niveau” gebracht werden.

• Für die Lehrerfortbildung, die verpflichtend sein sollte, wünschen wir uns ausreichende Ressourcen, damit der dadurch bedingte Unterrichtsausfall möglichst gering ist. Hierzu erwarten wir noch Konzepte, die dem Rechnung tragen. Dass der LEB die Einführung einer verpflichtenden Lehrerfortbildung fordert, liegt nicht zuletzt an den nunmehr durch die umfassende Neugestaltung des Bildungssystems Baden-Württemberg  zu erwartenden immensen Herausforderungen an die Lehrerschaft.

• Mit der “festen” Zuweisung der Niveaustufe nach Klasse 6 sehen wir die Gefahr der Einführung einer “verbindlichen” Realschul-­Empfehlung durch die Hintertür, weil diese Entscheidung dann verpflichtend ist. Hier erwartet der LEB in Diskussionen zu dem Problemfeld möglichst bald eingebunden zu werden.

• Im Kontext der Weiterentwicklung der Realschule fordert der LEB auch für entsprechend leistungsfähige und leistungsbereite Absolventinnen und Absolventen der Realschule die echte Wahlmöglichkeit zwischen beruflichem und allgemeinbildendem Gymnasium, wie sie z.B. durch die Einführung einer späten zweiten Fremdsprache am allgemeinbildenden Gymnasium ermöglicht wird.

Pressemeldung des Landeselternbeirats Baden-Württemberg vom 18.6.2015.

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