Bayern: Baustelle Bildungspolitik – „wo bleibt der Masterplan?“

Halbzeitbilanz im Forum Bildungspolitik: Sprecher aller Landtagsfraktionen sehen Handlungsbedarf in zentralen Bereichen

München (pm)Verbindliches Handeln und einen „Masterplan“ fordert der Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Kultus im Bayerischen Landtag Martin Güll angesichts der Fülle an Defiziten und drängenden Aufgaben, die zur „Halbzeitbilanz“ am 9. Mai 2016 im Forum Bildungspolitik in Bayern sichtbar wurden. In der Mitte jeder Legislaturperiode des Bayerischen Landtags laden die derzeit 45 Mitgliedsorganisationen des Forum Bildungspolitik in Bayern traditionell Vertreter aller vier Landtagsfraktionen ein – Bildungspolitik auf dem Prüfstand der Bildungsverbände.

Schulpolitik_by_Dieter Schütz_pixelio.de

(c) Dieter Schütz_pixelio.de

Unstrittig ist der anhaltende Gestaltungs- und Handlungsbedarf beim Thema „Bildung und Flüchtlinge“. Für diese „humanitäre Großaufgabe“, so der Vorsitzende des Arbeitskreises für Bundes- und Europaangelegenheiten der CSU-Fraktion Walter Taubeneder, wurden zahlreiche Ansatzpunkte thematisiert. „Wir brauchen hier multiprofessionelle Teams, mehr Personal und eine wirklich darauf ausgerichtete Pädagogik“, erklärt Margarete Bause, Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Güll befürwortet einen „Bildungscheck“ sofort bei der Erstaufnahme, um schulpflichtige Kinder und Jugendliche gezielt unterrichten zu können. Bause betont an dieser Stelle die „Schulpflicht für alle“. Offen bleibt die Frage eines Verbandsvertreters, warum rund 26.500 der etwa 40.900 berufsschulpflichtigen Flüchtlinge keinen Platz in einer Berufsschule hätten.

Negativbilanz beim Thema Inklusion: nach den Errungenschaften der interfraktionellen Arbeitsgruppe stagniere der Prozess völlig, urteilt Günther Felbinger als Bildungspolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Wähler. „Mehr Ressourcen, mehr Personal“ seien gefordert, aber auch eine deutliche Professionalisierung. Felbinger fordert mehr Lehrstühle für Sonderpädagogik; Klaus Wenzel, Vorsitzender des Forum Bildungspolitik in Bayern ergänzt, dass Inklusion in allen Teilen der Lehrerbildung verankert werden müsse. Dies gelte für alle Bereiche, ob Integration, Inklusion, Ganztag, digitale Bildung, Stärkung der MINT-Fächer oder individuelle Förderung in all ihren Facetten. Ausschussvorsitzender Güll bekräftigt: „Unsere Lehrerinnen und Lehrer sind gut, aber nicht zeitgemäß ausgebildet“.

Mit Blick auf die zweite Hälfte der Legislaturperiode sieht der CSU-Abgeordnete Taubeneder den Ausbau der Ganztagsbetreuung in Bayern „auf einem guten Weg“ und setzt sich für „flexible Angebote“, besonders im ländlichen Raum ein. Güll will an der Forderung seiner Fraktion festhalten, ein verbindliches Recht auf einen Ganztagsplatz einzuführen. Er sieht im gebunden Ganztag die große Chance, außerschulische Belange in den Schulbetrieb zu integrieren und klarer umzusetzen, dass Lernen und Bildung lebensbegleitend sein müssten. Eine „qualitative Weiterentwicklung des Ganztags“ zählt auch Felbinger zu den Prioritäten seiner Fraktion. Und während Taubeneder für die Regierungsfraktion weiterhin auf die „Mittelstufe plus“ setzt, bleiben die Freien Wähler auf G9-Kurs. „Hier werden wir die nächsten zweieinhalb Jahre nicht locker lassen“, stellt Felbinger für die zweite Halbzeit in Aussicht.

Pressemeldung des Forum Bildungspolitik in Bayern vom 11.5.2016.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Hilfe

WordPress theme: Kippis 1.15