Bertelsmann: Vielfalt der Bildungswege und der Entwicklungschancen ignoriert

VDR-Bundesvorsitzender Jürgen Böhm: „Schlussfolgerungen des Chancenspiegels 2017 der Bertelsmann-Stiftung sind ignorant und einseitig“

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Abitur = erfolgreiche Zukunft? So einfach sei es nicht, warnt VDR-Vorsitzender Jürgen Böhm. (c) pixabay.com

München (pm) – Bezugnehmend auf den Chancenspiegel 2017 der Bertelsmann Stiftung, der Bildungsdaten aus dem Zeitraum 2002 bis 2014 bewertet, warnt VDR-Bundesvorsitzender Jürgen Böhm davor, gelungene schulische Bildung in Deutschland an einigen wenigen, ausgesuchten Begriffen festzumachen. „Der Chancenspiegel beansprucht für sich, ‚die gesellschaftliche Debatte über ein gerechtes und leistungsstarkes Schulsystem in Deutschland sach- und lösungsorientiert zu vertiefen, mit dem Ziel alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu fördern’. Dies muss grundsätzlich im Interesse der schulischen Bildung in Deutschland stehen. Jedoch reicht es nicht, hierbei auf einige wenige vermeintlich ausschlaggebende Faktoren einzugehen. So ist beispielsweise die Ganztagsschule ebenso wenig ein ‚Allheilmittel’ wie das Abitur für sich beanspruchen kann, alleiniger Qualitätsindex oder Erfolgsgarant einer späteren Karriere zu sein“, äußert sich Böhm. „Bildungserfolg umfasst nicht nur gymnasiale Bildung und das Abitur, wie das die Bertelsmann Stiftung einseitig überbewertet. Die hervorragende berufliche Bildung und die Entscheidungsfreiheit der Menschen in unserem Land werden dabei völlig außer Acht gelassen“, so der VDR-Bundesvorsitzende. Es sei an der Zeit, dass man die vielfältigen, nachweislich erfolgreichen Wege des differenzierten Bildungswesens in Deutschland anerkenne und sich von überholten, ideologisch abgenutzten Vorstellungen eines Einheitsschulsystems mit einem „Abitur für alle“ verabschiede, so Böhm.

„Wenn man die Messlatte an das föderale, differenzierte Bildungswesen in Deutschland anlegt, zeigt sich die eigentliche Stärke dieses Systems“, stellt Böhm fest. Der erfolgreiche Übergang ins Berufsleben gelinge in Deutschland wesentlich besser als in anderen OECD-Ländern. Indikatoren seien beispielsweise die extrem geringe Quote der Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zu vergleichbaren Industrieländern.

„Wer außerdem Deutschland eine Benachteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund unterstellt, der ignoriert die Vielzahl der strukturellen und organisatorischen Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren ergriffen wurden, um jungen Menschen, die in unser Land kommen, beste Chancen der Integration und Bildung zu bieten“, so Böhm weiter. „Ebenfalls ignoriert wird die hervorragende geleistete Arbeit der Pädagogen in unserem Land. Diese bewältigen sämtliche Herausforderungen hoch kompetent und mit größtem Engagement – und müssen hierbei mit verbesserten Rahmenbedingungen wie pädagogischem Freiraum, integrierten Lehrerreserven und besseren Differenzierungsmöglichkeiten zur individuellen Förderung unterstützt werden“, schließt Böhm.

Pressemeldung des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR) vom 2.3.2017.

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