Bildungschancen regional unterschiedlich

Studie der Bertelsmann Stiftung – Bundesvergleich gebundener Ganztagsschulen

Oranienburg (pm) - Mit der aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung zur Ressourcenausstattung gebundener Ganztagsschulen in Deutschland wird uns sehr deutlich vor Augen geführt, wie unterschiedlich Bildungschancen im direkten Vergleich zwischen den Bundesländern verteilt sind. Mit dem zunehmenden Ausbau der Ganztagsschulen in den letzten 15 Jahren waren gerade auf Seiten der Eltern viele positive Erwartungen hinsichtlich der Bildungschancen ihrer Kinder verbunden. So wurden neben der ganztägigen Betreuung vor allem die pädagogischen und sozialen Vorteile gegenüber der Halbtagsschule ins Feld geführt.  Auch die längere Lernzeit für die Schüler/-innen wurde als besonderer Vorteil erkannt.

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In der Ganztagsschule steht das Klassenzimmer nachmittags nicht mehr leer… (c) Dieter Schütz_pixelio.de

Die Ganztagsschule steht mittlerweile grundsätzlich für mehr Chancengerechtigkeit und sie gilt als ein leistungsfähiges Schulsystem. Mittlerweile haben fast 60 % aller Schulen ein ganztägiges Angebot. In der Ausstattung dieser Schulform werden in der Bertelsmann Studie aber schon allein bei der gebundenen Ganztagsschule erhebliche Unterschiede festgestellt. Diese zeigen sich besonders in der landesabhängigen Zuweisung des pädagogischen Fachpersonals für den Ganztagsbereich. So werden die Grundschulen weit besser ausgestattet als die weiterführenden Schulen und im Bereich der Stundenzuweisung sind diese Unterschiede noch deutlicher zu erkennen. Im Bundevergleich werden so z.B. die gebundenen Ganztagsgrundschulen je nach Land mit zusätzlichem Personal in einer Spanne von 3 bis zu 32 Wochenstunden versorgt und Personalausstattung und Umfang der angebotenen zusätzlichen Lernzeiten passen oft nicht zueinander; der Landesanteil an der Personalausstattung variiert ebenfalls sehr stark, je nach Schulform und Land von 22% bis 67%.

Das zentrale Ergebnis dieser Untersuchung: „Trotz einheitlicher Kategorisierung durch die Kultusministerkonferenz als „gebundene Ganztagsschulen“ weisen die Schulen im Ländervergleich ein erstaunliches Spektrum an unterschiedlichen Voraussetzungen auf, wenn es um Ausmaß erstens an zusätzlicher Lernzeit, zweitens an zusätzlichem pädagogischem Personal und schließlich um die Kongruenz von Lernzeit und Personalausstattung geht. Von gleichwertigen Lernchancen im Ganztag kann angesichts dieser … empirischen Befunde nicht einmal im Ansatz die Rede sein.“ (Dr. Jörg Dräger und Ulrich Kober im Vorwort zur Studie)                                                    

Gerade hat sich der Bundeselternrat auf seinem Kongress vom 22.-24. April 2016 in Potsdam zum Thema Lernen folgende Frage gestellt: „Selbstbestimmtes Leben als Ziel von Bildung – Was müssen unsere Kinder heute lernen?“. Das Ergebnis: Die notwendige individuelle Förderung aller Kinder und die Mitwirkung in demokratischen Strukturen verlangt eine gute Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit, dies gilt ebenfalls für die Ganztagsschule. Aber die großen Unterschiede im Ergebnis der Bertelsmann Studie  bezüglich Personalausstattung und der ihr zugewiesenen Zeit lassen es erahnen: Pädagogisch begründete Qualitätskriterien haben bei der Ausstattung der Ganztagsschule selten eine Rolle gespielt. Gerade der Ländervergleich an schulspezifischen Themen führt dieses Grundproblem zu Tage und er ist auch auf viele andere Bildungsschwerpunkte zu übertragen. Sei es nun die Umsetzung der Inklusion oder die Frage nach vergleichbaren Bildungsstandards. Die Forderung aus dieser und  vieler anderer Studien, die am Längsschnitt untersuchen müssen, wie gut unser Schulsystem in seinen Teilbereichen wirklich ist, muss eine bundeweite Bildungsstrategie sein, die auf der Grundlage von pädagogisch begründeten Qualitätskriterien das benennt, was Schule wirklich braucht und festlegt, was es kostet und wer es bezahlt.

Über den Bundeselternrat

Der Bundeselternrat ist die Dachorganisation der Landeselternvertretungen in Deutschland. Über seine Mitglieder vertritt er die Eltern von rund acht Millionen Kindern und Jugendlichen an allgemeinbildenden und an berufsbildenden Schulen.

Pressemeldung des Bundeselternrats vom 28.4.2016.

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