Der immense Druck quält zu viele Kinder

Am Montag, dem 2. Mai, bekommen alle Viertklässler das Übertrittszeugnis – erneut appelliert der BLLV an das Kultusministerium, das gängige Verfahren zu überdenken  

München (pm)Der Übertrittsdruck quält viele Kinder – „zu viele“, meint die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann. Anlässlich der Zeugnisvergabe zum Übertritt Anfang Mai in vierten Grundschulklassen appellierte sie an das Kultusministerium, das gängige Verfahren zu überdenken und Reformen einzuleiten, die die Situation wenigstens entschärfen. Als langjährige Schulleiterin und Lehrerin wisse sie noch sehr genau, welchen Strapazen Familien und vor allem natürlich die Kinder über Wochen ausgesetzt seien, um den ersehnten Notenschnitt zu erreichen. „Er ist die Eintrittskarte für das Gymnasium, dort geht es dann für viele Kinder mit der Quälerei weiter.“ Erfolgreiches Lernen und Druck passten eben nicht zusammen. „Ich habe viele Kinder erlebt, die angesichts des hohen Erwartungsdrucks krank geworden sind oder die Lust am Lernen völlig verloren haben.“ Immer wieder stelle sie sich die Frage: Wollen wir das und warum hören wir nicht einfach auf damit?

Kind bei den Hausaufgaben

(c) thommy-weiss_pixelio.de

Die BLLV-Präsidentin fordert ein Umdenken: „Im Kern müssen uns endlich von der zu frühen Sortierung von Kindern auf verschiedene Schultypen verabschieden – wenn das aber partout nicht gewollt ist, müssen wir wenigstens Verbesserungen im Prozedere herbeiführen.“ Ein erster Schritt sollte die Freigabe des Elternwillens sein.

Unzählige wissenschaftliche Studien belegten, dass sich Lernprozesse in einem Umfeld, das von Druck, Stress und Versagensängsten geprägt sei, nicht frei, kreativ und effektiv entwickeln könnten. Selbst positive Reformen wie die Neukonzeption des Grundschullehrplans würden immer vom Übertrittsdruck überschattet. Auch an den Lehrerinnen und Lehrern gehe der Druck nicht spurlos vorüber: „Viele atmen auf, wenn der Montag vorüber ist. Sie mussten wochenlang sehr viel Stoff unterrichten, Prüfungen abhalten, Noten verteilen und letztlich Entscheidungen treffen, die nicht leicht fallen.“ Das belaste Grundschullehrkräfte erheblich. Hinzu kämen leider auch negative Erfahrungen mit Eltern, die immer öfter Noten juristisch anzweifeln, Lehrkräfte attackierten oder beschimpften.

„Ich hoffe, dass das Kultusministerium diese Fakten nicht einfach weiter ausblendet und Maßnahmen überlegt, die allen Beteiligten helfen“, sagte Fleischmann.“

Pressemeldung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) vom 27.4.2016.

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