Ein guter Tag für Bayerns Schulen

BLLV-Präsidentin: „1700 Stellen zur Integration von Flüchtlingskindern lassen hoffen, allerdings muss sich zeigen, was an den Schulen ankommt“ / Positionspapier mahnt überlegtere Sprache an

München - Als richtige und wichtige Weichenstellung hat es die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, bezeichnet, dass die Bayerische Staatsregierung Mittel für 1700 neue Stellen zur Integration von Flüchtlingskindern im Nachtragshaushalt 2016 zur Verfügung stellen wird. „Die kurzfristige Stellenmehrung im Bildungsbereich ist einmalig und ein großer erster Schritt“, erklärte sie heute in München – auch wenn sie hinter den vom BLLV geforderten 2500 neuen Stellen bleibt. Deshalb könne durchaus von einem guten Tag für Bayerns Schulen gesprochen werden. Die Staatsregierung habe offensichtlich die Bedeutung der Schulen für die Integration der Hilfe suchenden Menschen erkannt. Allerdings werde sich erst zeigen müssen, ob und in welcher Form diese Stellen und Mittel an den Schulen ankommen. „Bis jetzt sind es noch Ankündigungen. Wir erwarten vom Kultusministerium, den Regierungen und der Schulverwaltung vor Ort sinnvolle, pragmatische und kreative Lösungen.“

Die Frage der Unterrichtsversorgung in den nächsten Wochen und Monaten, in denen die Flüchtlingskinder an die Schulen kämen, sei ein weiteres ungeklärtes Problem, sagte Fleischmann. Die kurzfristig zugesagten 750.000 € für sog. „Drittkräfte“, also  zusätzliches interdisziplinäres Personal, seien noch nicht verteilt.

Das Engagement der Lehrkräfte, der vielen freiwilligen Helfer und Fachkräfte stehe außer Frage. Ob es allerdings gelinge, die zum Teil stark traumatisierten jungen Menschen erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren, hänge ganz wesentlich von der Ausstattung der Schulen ab. Fleischmann kündigte daher an, „dran bleiben zu wollen“ und in den Schulen nachzufragen, ob die Hilfen auch ankämen. „Es steht noch viel mehr auf dem Spiel als die Unterrichtsversorgung. Letztlich geht es um die Stabilität des Gemeinwesens und der Demokratie.“

Ungewöhnliche Situationen erforderten aber auch ungewöhnliche Maßnahmen, so die BLLV-Präsidentin. Der BLLV schlage deshalb in einem Ende September vom Landesvorstand einstimmig verabschiedeten Positionspapier vor, zusätzliche, im System vorhandene Ressourcen, „frei zu machen“. So könnten z.B. Schulen, Schulleitungen und Pädagogen/innen von anderen Aufgaben und Verpflichtungen vorübergehend entlastet werden, indem Abstriche bei den zu erstellenden Statistiken, den vielfältigen Abfragen oder bei der externen Evaluation akzeptiert würden. Das koste kein Geld und würde den Schulen helfen. In dem Positionspapier des BLLV mit dem Titel: „Flüchtlinge und Bildung“ wird auch eine überlegtere Sprache angemahnt: „Eine Sprache, die den Herausforderungen angemessen ist.“ Bereits in der Sprache werde signalisiert, ob Bayern eine Willkommenskultur pflege. Mit der Sprache gebe die Politik ein Vorbild, das Nachahmung finde. In dem mehrseitigen Positionspapier hält es der BLLV

  • u.a. für dringend erforderlich, den Schulen zu ermöglichen, Kinder und Jugendliche bereits vor Ablauf der Dreimonatsfrist aufzunehmen. Es sei eine Realität, dass diese Kinder bereits am Schultor stehen, bevor die drei Monate abgelaufen seien, heißt es in der Petition. „Der Wunsch der Eltern nach  Beschulung ihrer Kinder zeige im Übrigen auch deren Wille zur Integration.“
  • Auch müsse der Islamische Unterricht deutlich ausgeweitet werden und Schulleiterinnen  und -leiter in deutlichem Umfang Anrechnungsstunden erhalten.
  • Nötig seien darüber hinaus ausreichend Mittel für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften im Bereich Deutsch als Zweitsprache
  • sowie der weitere Ausbau der Übergangsklassen. „In den Übergangsklassen wird nur rund ein Drittel aller Flüchtlingskinder beschult“, gab die BLLV-Präsidentin zu bedenken. Das bedeute, auch alle anderen Klassen und Schulen müssten bei Bedarf zusätzliche Unterstützung abrufen können.

Das Positionspapier beschreibt noch weitere Forderungen, die Maßnahmen zur Personalgewinnung oder schulischen Erstversorgung betreffen. Angemahnt werden:

  • pädagogische Hilfen und Unterrichtsmaterialien für Lehrerinnen und Lehrer,
  • Supervisionsangebote und psychologische Hilfe für die Arbeit mit Eltern. „Viele Kolleginnen und Kollegen erleben auf Elternabenden Väter und Mütter, die  mit ihren Gefühlen und Ängsten nicht zurechtkommen. Um hier unterstützend eingreifen zu können, sollten die Schulpsychologen/innen des Kriseninterventions- und Bewältigungsteams (KIBBS) vom Unterricht freigestellt werden und Stundenermäßigungen bekommen.“ Gefordert werden u.a. auch Clearingstellen und multiprofessionelle Teams, die Schulen entlasten. Langfristig müsse zudem der Sportunterricht sichergestellt  werden, indem sich bei von Flüchtlingen belegten Turnhallen Schulen bei der Unterbringung nach wenigen Wochen abwechseln.

Der Wortlaut des Positionspapieres ist hier nachzulesen.

Pressemeldung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) vom 14.10.2015.

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