Fachkräftemangel an Grundschulen wird immer deutlicher – GEW sieht dringenden Handlungsbedarf

Das Grundschullehramt muss attraktiver werden. Die Unterrichtsverpflichtung für Grundschullehrkräfte muss gesenkt werden und ihre Bezahlung der Eingangsbesoldung anderer Schularten entsprechen.

Mainz (pm) – An immer mehr Grundschulen in Rheinland-Pfalz fehlen ausgebildete Grundschullehrkräfte. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW) fordert von der Landesregierung weitreichende Maßnahmen, um dem im Grundschulbereich besonders hohen Fachkräftemangel gezielt entgegenzuwirken.

2016-08-27_board-106802_640 (400x289)Die GEW geht nach Informationen aus den Schulen zurzeit davon aus, dass ca. 25 % der an den Grundschulen neu eingestellten Lehrkräfte keine Qualifizierung als Grundschullehrerin bzw. Grundschullehrer haben. Als besonders gravierend ist dabei anzusehen, dass diese anders qualifizierten Lehrkräfte nicht etwa im Laufe des Schuljahres Ausfälle auffangen müssen, sondern bereits zu Schuljahresbeginn nötig sind, um die Grundversorgung der Schulen zu gewährleisten. Auch geht die Anzahl von Anwärterinnen und Anwärtern für das Grundschullehramt seit Jahren deutlich zurück, so dass die zuständigen Studienseminare in jüngster Zeit nur ca. 80 % der für Referendarinnen und Referendare zur Verfügung stehenden Plätze besetzen können.

Die Gründe für das Fehlen von Grundschullehrkräften seien vielschichtig, erläuterte Klaus Peter Hammer, Vorsitzender der GEW Rheinland-Pfalz, vor der Presse. Zum einen liege es daran, dass in unserer Gesellschaft die Arbeit mit kleinen Kindern und somit auch die an den Grundschulen nicht den notwendigen Stellenwert erhält, den diese hochqualifizierte Arbeit verdiene. „Nicht nur die geringere Bezahlung – verglichen mit anderen Lehrämtern – auch das höchste Stundendeputat aller Schularten führt sicherlich dazu, dass sich Lehramtsstudierende für eine andere Schulart als die Grundschule entscheiden,“ so der Landesvorsitzende. Hier müsse dringend gegengesteuert werden. „Die Aufwertung der Arbeit von Grundschullehrkräften ist auch in der anspruchsvollen Arbeit mit den Grundschulkindern zu begründen. Neben der vielfältigen unterrichtlichen Tätigkeit ist wichtige pädagogische Zusatzarbeit zu leisten, die weitaus mehr gesellschaftliche Beachtung verdient,“ so der Landesvorsitzende weiter.

Der Anteil von Frauen bei den Grundschulkräften liege bei über 90 %, während an Gymnasien rund 60 % Frauen tätig sind. Das heißt außerdem, dass überproportional Frauen von der ungleichen Eingruppierung und Besoldung betroffen sind. Nach Auffassung der GEW werden in der Ausbildung für die Tätigkeiten in der Grundschule gleichwertige Anforderungen wie für die Ausbildung an anderen Schularten gestellt. Dies gilt auch für die Anforderungen und Arbeitsbedingungen im Schulalltag. „Es ist demzufolge nicht gerechtfertigt, dass gleichwertige Arbeit unterschiedlich besoldet wird,“ so der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer.

Andere Bundesländer hätten die Brisanz der Problematik erkannt und wichtige Weichen gestellt, indem Grundschullehrkräfte gleich lang wie die anderen Lehrämter studieren. Dies führe zur höheren Anerkennung dieses Lehramts. „Diesen richtigen Schritt sollte Rheinland-Pfalz auch gehen. Wir wollen die Landesregierung ermutigen, entsprechende Weichen zu stellen, nur so lässt sich der Mangel an Grundschullehrkräften nachhaltig beheben, indem man das Grundschullehramt aufwertet. Auch wäre eine Imagekampagne wichtig, welche Studierende überzeugt, sich für das Grundschullehramt zu entscheiden,“ so Klaus-Peter Hammer abschließend.

Pressemeldung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz vom 15.9.2016.

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