Hamburger Abitur weiter entwertet

Hamburg (red/pm)Die Zahlen zu den Ergebnissen des Hamburger Abiturs 2015, die Schulsenator Rabe am Freitag vorgestellt hat, belegen, dass das Hamburger Abitur auch mit diesem Jahr der Amtszeit von Senator Rabe durch kompetenzorientierte Aufgaben und die begleitenden Maßnahmen zur Dezentralisierung der Bewertung weiter entwertet worden ist.
(Foto: S. Hofschlaeger_pixelio.de)

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Die Entwicklung ist problematisch: Lag die Zahl der Abiturienten beim Jahrgang 2012, also dem letzten Jahrgang, in dem noch wissens- und nicht kompetenzorientierte Aufgaben gestellt wurden, noch bei 8.211, von denen 111 die Note 1,0 erhielten, haben im aktuellen diesem Jahrgang 2015 nicht weniger als 9.286 Schülerinnen und Schüler das Hamburger Abitur bestanden (2014: 8.941), davon bereits 166 mit der Note 1,0 (2014: 141).

Die Zahlen überraschen nicht. Je geringer die Leistungs- und Wissensanforderungen für das Abitur werden, desto größer wird zwangsläufig die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die das Abitur bestehen und dank allgemeiner Unterforderung am Ende mit einer 1,0 entlassen werden. Die Gründe für die schleichende Entwertung des Hamburger Abiturs sind:

  • die Umstellung der Aufgaben ab dem Jahr 2012 auf nur noch “kompetenzorientierte” Aufgaben, bei denen weite Teile der Antworten nur noch aus dem Aufgabentext übernommen werden müssen,
  • die Abschaffung der verbindlichen externen Zweitgutachten bei den schriftlichen Abiturprüfungen seit 2014, wodurch es vor allem an den Stadtteilschulen einen Trend gibt, die weicheren Vornoten aus der Sekundarstufe II auch auf die schriftlichen Abiturprüfungen zu übertragen,
  • die Abschaffung auch der verbindlichen internen neutralen Zweitgutachten, wodurch es bei den Fachlehrkräften die Tendenz gibt, die eigenen Schüler besser zu bewerten,
  • die Bekanntgabe der Abiturthemen und Aufgabenschwerpunkte in nahezu allen Fächern auf der Internetseite der Behörde mehrere Monate vor den Klausuren,
  • die von Wissenschaftlern und Fachdidaktikern bestätigte Absenkung des Anforderungsniveaus der Abituraufgaben in den zurückliegenden 10 Jahren.

Es überrascht allerdings, dass Schulsenator Rabe noch immer an seiner “Zentralabitur”-Rhetorik festhält und diese gar noch ausbaut, indem das inzwischen nur noch dezentral in den Schulen bewertete Hamburger Abitur inzwischen irreführend sogar “großes Zentralabitur” nennt. Fakt ist indes, dass die Abiturklausuren seit 2014 nicht mehr extern gegenkorrigiert werden, so dass mangels einer neutralen Gegenkontrolle ohnehin nicht mehr von einem “Zentralabitur” gesprochen werden kann. Das Gleiche gilt mit Blick auf die Aufgabenteile in einzelnen Fächern, die inzwischen gemeinsam mit einzelnen anderen Bundesländern gestellt und von der Behörde irreführend “6-Länder-Abitur” genannt werden: Diese Aufgabenteile machen nur ein Drittel der Gesamtaufgaben aus und sind für die Schülerinnen und Schüler mehrheitlich nicht verbindlich, da die Abiturienten in den Klausuren Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Aufgaben haben.

Fazit: Der schöne Schein trügt. Die Abiturergebnisse 2015 in Hamburg bestätigen das Absenken des Anforderungsniveaus, das Hamburger Abitur wird weiter entwertet.

Pressemeldung von “Wir wollen lernen!” – Förderverein für bessere Bildung in Hamburg e.V. vom 13.7.2015. Quelle: bildungsklick.de.

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