Handschrift darf nicht zur Nebensache werden

Kindern fällt es zunehmend schwer, das Kulturgut sicher zu beherrschen / BLLV-Präsidentin Fleischmann: „Mit dem schleichenden Verlust darf sich niemand abfinden“

München (pm) – Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, spricht sich für den kompromisslosen Erhalt der Handschrift aus. „Die Handschrift ist ein wesentlicher Teil unserer Kulturtechnik. Sie darf nicht aufgegeben werden“, erklärte sie anlässlich des Tags der Handschrift am heutigen Montag. Mit einem Aus der Handschrift würde auch ein Stück Persönlichkeit verloren gehen. Es sei zudem nachgewiesen, dass sich handgeschriebene Texte besser merken lassen. „Wissenschaftler weisen immer wieder auf das Zusammenspiel von Hirnfunktionen und feinmotorischen Bewegungen hin“, sagte sie. Sie beklagte, dass es in Zeiten von Tablets und Smartphones schon Grundschulkindern immer schwerer fallen würde, flüssig und lesbar zu schreiben. 

(c) pixabay

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Mit dem schleichenden Verlust dieses wichtigen und grundlegenden Kulturguts dürfe sich niemand abfinden. Im Grundschullehrplan sei der Prozess zum Erwerb der Handschrift implementiert –  was der BLLV bei der Einführung des neuen Lehrplans ausdrücklich gefordert hatte. „Ziel muss sein, dass möglichst viele Kinder nach vier Grundschuljahren diese Fähigkeit sicher und gut beherrschten. Für Heranwachsende sei die Schule noch der einzige Ort, an dem sie mit der Hand schreiben müssten und diese Fähigkeit gefragt sei. „Im Computer- und Handyzeitalter wird mehr in Tastaturen getippt als sich im Schreiben geübt. Das bleibt nicht ohne Folgen: Das Kulturgut Handschrift wird zur Nebensache.“

Umso wichtiger sei daher der Tag der Handschrift, der alljährlich am 23.Januar begangen wird. Das Thema rücke so in den Fokus und bekomme die Aufmerksamkeit, die es verdiene, sagte Fleischmann.

Damit eine Aufwertung des Schreiben-Lernens gelingen könne, müssten für die Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen auch entsprechende Rahmenbedingungen erfüllt sein: „Dazu gehört ausreichend Zeit, genügend Personal und Möglichkeiten, mit den Grundschulkindern in Ruhe und ohne Prüfungsdruck zu trainieren. Die jungen Schülerinnen und Schüler sollten Schreibenlernen als Prozess erleben dürfen, an dem sie wachsen und reifen.“ Jedes Kind profitiere von einer ordentlichen, sicheren, flüssigen und gut zu lesenden Handschrift, betonte die BLLV-Präsidentin. So gebe es zahlreiche Hinweise darauf, dass sie deutliche Vorteile in anderen Bildungsbereichen hätten. An den weiterführenden Schulen werde überdies davon ausgegangen, dass Schülerinnen und Schüler die Handschrift sicher beherrschten – „wenn sie Unsicherheiten zeigen, bleiben Probleme nicht aus.“

Pressemeldung Nr. 02 des Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverbandes (BLLV) vom 23.1.2017.

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