Inklusion an Bildungseinrichtungen – auch in Bayern nur erste Schritte erreicht

Lauf (pm) - Hält man die am vergangenen Wochenende verabschiedete Resolution des Bundeselternrats zur Inklusion an die Verhältnisse in Bayern, so zeigt sich nach Ansicht des Bayerischen Elternverbands e. V., dass man auch hier erst wenige Schritte zu einer wirklichen Inklusion geschafft hat. Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende und Leiterin des Sachgebiets Förderschule, Inklusion, Integration, macht dies insbesondere an folgenden Punkten fest:

Noch immer ist in Bayern nicht sichergestellt, dass alle Eltern behinderter Kinder umfassend mit der Möglichkeit der Inklusion in Kita und Schule bekannt gemacht werden. Dies müsse, so Paede, unmittelbar nach der Geburt eines behinderten Kindes oder nach der Feststellung einer besonderen Förderbedürftigkeit erfolgen. “Wir vermissen staatliche Strukturen, die dies garantieren und nicht dem Zufall überlassen!”

Inklusion in allen Bildungseinrichtungen bedeutet für Eltern einen gewaltigen organisatorischen Aufwand, um die angemessenen Vorkehrungen, wie z. B. Schulbegleiter, Gebärdendolmetscher oder Beförderung bewilligt zu bekommen und zu organisieren. Dies gelingt überwiegend in gebildeten und finanziell gut gestellten Familien. Dadurch profitieren seltener Kinder von Inklusion, die aus nichtdeutschen Elternhäusern und solchen mit niedrigerem Einkommen sowie Bildungsstand kommen oder solchen, die diesen enormen Aufwand aus anderen Gründen nicht leisten können. “Wenn es dem Staat mit der Bildungsgerechtigkeit ernst ist, muss er hier energisch gegensteuern”, so die BEV- Fachfrau, “und dafür sorgen, dass die angemessenen Vorkehrungen an einer einzigen Stelle beantragt und bewilligt werden können. Es kann nicht angehen, dass Eltern Streitigkeiten über Kostenzuständigkeiten zwischen verschiedenen Staatsbehörden selbst klären lassen müssen. Inklusion darf eben gerade nicht von der Leistungsfähigkeit des familiären Hintergrunds abhängen!”

Nach Ansicht des bayerischen Elternverbands brauchen Bildungseinrichtungen systemische Unterstützung für die Aufgabe der Inklusion. “Bayern setzt stark auf das Instrument des Schulbegleiters”, sagt Paede. “Zwar bedeutet der persönliche rechtliche Anspruch auf eine Assistenz für die Betroffenen eine gewisse Sicherheit. In der Praxis kommt es jedoch an den Schulen nicht selten zu unsinnigen Konstellationen wie Ansammlung mehrerer Schulbegleiter in einer Klasse, was nicht nur überflüssig ist, sondern sogar der Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder im Wege stehen kann.” Die Lösung für dieses Problem liege in einer systemischen Unterstützung der Schule, wozu Bayern sich bis heute nicht durchringen konnte: Man möchte die dem Bildungsbereich indirekt aus der Sozialkasse zufließenden Mittel nicht verlieren. Paede weiter: “Schleswig Holstein hat hier beispielhaft und entschieden in die Kultuskasse gegriffen und sogenannte Assistance Teachers für Inklusionsklassen eingeführt”.

Die Inklusionsquote im Sekundarbereich liege noch immer weit unterhalb der des Primar- und Elementarbereichs. “Hier zeigt sich am deutlichsten, dass das Bundesland Bayern noch nicht über erste Schritte bei der Inklusion hinausgekommen ist”, kritisiert Paede weiter. Zwar weise im Elementar- und Primarbereich die Inklusionskurve nach oben, zugleich aber bleibe die Zahl der Kinder an Förderschulen weitgehend konstant. “Inklusion kommt nicht dort an, wo sie eigentlich ankommen müsste: an den Förderschulen!”

Durch den Zustrom von Flüchtlingen bekomme Bayern nun eine neue Chance zur Verwirklichung einer umfassend verstandenen Inklusion. Auch der BER schreibe in seiner Pressemitteilung, dass Inklusion “… auf den Begriff der Behinderung reduziert wird. Der weitergehende Begriff stellt aber die Frage nach der Verhinderung von Diskriminierung und Teilhabeausschluss für alle Menschen in unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt.” Paede schließt: “Wenn der Freistaat seinem selbst gesetzten Führungsanspruch innerhalb der Bundesrepublik gerecht werden will, muss er Flüchtlinge, behinderte, benachteiligte, hochbegabte und ganz normale Menschen zusammen denken. Dass dabei die eine oder andere heilige Kuh des Schulsystems unter die Räder kommen kann, liegt auf der Hand.”

Der Bayerische Elternverband ist der Verband für alle Eltern in Bayern. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden.

Pressemitteilung des BEV Nr. 12/2015 vom 26. November 2015.

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