Interview: Welche weiterführende Schule für mein Kind?

Das letzte Jahr vor dem Schulübergang

So langsam kommen die Schüler aus den Sommerferien zurück und stellen sich wieder auf den Schulalltag ein. Die Mädchen und Jungen in der letzten Grundschulklasse haben ein ganz besonderes Jahr vor sich.

In der vierten bzw. sechsten Klasse, je nach Bundesland, wird entschieden, auf welche weiterführende Schule sie gehen. In manchen Bundesländern benötigen die Schüler einen Mindestnotenschnitt, um eine Wunschschule zu besuchen. Doch auch unabhängig davon, schauen Lehrer und Eltern genau hin, welche Schulform für ein Kind geeignet ist. Nicht immer stimmen die Vorstellungen von Eltern, Kindern und Lehrern überein. Und auch die Wahl der Schule ist gerade in Großstädten nicht immer leicht.

Wir fragten Diplom-Pädagogin Dr. Birgit Ebbert, Autorin des Buches „Elternratgeber Schulübergang“, was sie Eltern von Übergangskindern rät.

Birgit Ebbert (Foto: Ulrich Wens)

Dr. Birgit Ebbert (Foto: Ulrich Wens)

Das Wichtigste ist – für Eltern und Kinder – nicht in Hektik oder Panik zu verfallen, sondern besonnen zu bleiben. Die Entscheidung für eine Schulform oder Schule am Ende der Grundschulzeit ist nicht unumstößlich. Wer jetzt nicht auf das Gymnasium geht, hat viele andere Wege, das Abitur zu erlangen und – anders als Medien häufig darstellen – ist eine andere Schulform keine Restschule. Hier sind viele Kinder besser aufgehoben, weil der Unterricht lebensnäher und kleinschrittiger ist.

Wie sollte man bei der Wahl der Schule vorgehen?

Das hängt natürlich vom Einzelnen und dem Ort ab, in dem die Familie lebt. Sinnvoll ist, schon zum Beginn des Schuljahres darüber zu sprechen, welche Vorstellungen das Kind von seinem Leben, seiner Schullaufbahn und auch von seinem Beruf hat. Das sollte die Grundlage für eine Schulentscheidung sein. Warum sollte jemand der gerne handwerklich arbeiten möchte und dort sehr begabt ist, aber nicht gerne lernt, unbedingt – womöglich mit Nachhilfe und vielen Lernstunden – durch das Gymnasium getrieben werden, wenn er auf einer anderen Schule leicht zurecht käme und seine Fähigkeiten gefördert würden?

Ist es sinnvoll, das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen?

Auf jeden Fall, am besten mit mehreren Lehrern oder auch mit den Betreuern in der Betreuung, also allen, die das Kind beim Lernen erlebt haben. Sie können helfen einzuschätzen, wie engagiert oder angestrengt es lernt und wo seine Stärken liegen. Das hilft, das eigene Bild zu schärfen.

Wenn klar ist, welche Schulform richtig wäre, wie findet man die richtige Schule?

Auch hier muss man sich klar machen, es sind meist die einzelnen Lehrer, die eine positive oder auch negative Wirkung auf den Schüler haben, und weder das Schulgebäude noch das Eventangebot einer Schule. Trotzdem empfiehlt es sich, die Schulen, die in Frage kommen, zu beobachten, zu besuchen und Meinungen im Umfeld zu sammeln, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen. Viele Schulen bieten Tage der offenen Tür, an denen sie ihr Angebot vorstellen. Schon daran, wie Schüler einbezogen werden, merkt man, ob der Schule die Schüler oder der Lernstoff am Herzen liegen.

Sollten Eltern mit ihren Kindern besonders lernen oder Lernstoff wiederholen, damit sie es in der weiterführenden Schule einfacher haben?

In den meisten Grundschulen wird im ersten Halbjahr der letzten Klasse der Stoff wiederholt und auch das Tempo erhöht. Da bleibt meist keine Zeit, noch Lernstoff zu wiederholen. Es ist aber sinnvoll im zweiten Halbjahr ein paar Grundlagen zu festigen, manche Schulen nutzen die Zeit, andere nicht. Wie Eltern ihre Kinder hier unterstützen können, sollten wir in einem weiteren Gespräch anschauen.

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Cover zu "Elternratgeber Schulübergang"Mehr zu Dr. Birgit Ebbert finden Sie auf der Autorenseite.

Birgit Ebbert: Elternratgeber Schulübergang. 33 Dinge, die Eltern wissen müssen. Schulwerkstatt Verlag 2013, 96 Seiten, ISBN-Nr. 978-3-940257-19-2, 7,90 Euro.

 

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