Kinder, Eltern und Lehrer vom Druck befreien

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann appelliert an das Kultusministerium, den Übertrittszeitpunkt und das praktizierte Verfahren zu überdenken

München (pm)Gute Schulabschlüsse hängen immer noch von der Herkunft, dem Wohnort und vom Einkommen der Familie ab. Das praktizierte Übertrittsverfahren nach der vierten Grundschulklasse zementiert so die hohe Bildungsungerechtigkeit in Bayern. „Wer den Schulalltag vierter Grundschulklassen kennt, weiß, dass der Druck, den der zu erreichende Notenschnitt von 2,3 auslöst, vielen Kindern das Leben schwer macht und viele Familien über Monate extrem belastet. Mädchen und Jungen sind gestresst, werden krank oder demotiviert“, erklärte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, heute in München. Sie appellierte an das Kultusministerium, die gängige Praxis zu überdenken und in einem ersten Schritt den Elternwillen frei zu geben, um Schüler, Eltern und Lehrer rasch von diesem Druck zu befreien.

(c) Dieter Schütz_pixelio.de

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Der Übertrittszeitpunkt garantiert keine sichere Prognose für die weitere Schullaufbahn: Im Schnitt verlassen 13.500 Schüler das Gymnasium ohne Abitur.  Aus den Realschulen wechseln pro Schuljahr durchschnittlich 5.400 Schüler an die Hauptschule. „Es kommt also langfristig auch darauf an, über den richtigen Zeitpunkt nachzudenken, an dem Kinder auf verschiedene Schularten verteilt werden“, sagte Fleischmann. Ausschlaggebend sollten pädagogische und erziehungswissenschaftliche Argumente sein.

„Es muss zudem garantiert sein, dass in der Wahrnehmung von Eltern und Wirtschaft alle zur Auswahl stehenden Schularten gleichwertig sind. Jeder Schüler sollte auch an der von ihm bzw. seinen Eltern gewählten Schulart verbleiben können, indem er entsprechend gefördert wird“, erklärte die BLLV-Präsidentin. Grundsätzlich müsse an allen Schulen die Förderdiagnostik in den Mittelpunkt gestellt werden – und nicht die Auslesediagnostik.“

Pressemeldung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes vom 3.7.2015.

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