KMK-Abiturstatistik: Dokumentation föderaler Bildungsungerechtigkeit und zunehmender Bestnoteninflation

Berlin (pm) - Als Dokumentation und klaren Beweis föderaler Bildungsungerechtigkeit in Deutschland bei der Vergabe von Abiturnoten hat der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger die heutige Veröffentlichung der Abiturdurchschnitte, der Abiturdurchfallquoten und der Notenverteilung in den verschiedenen Bundesländern durch die Kultusministerkonferenz bezeichnet.
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So betrage die Differenz der Abiturdurchschnittsnoten zwischen Thüringen (2,16) und Niedersachsen (2,61) fast einen halben Notengrad, was erhebliche Auswirkungen auf die Chancen der jeweiligen Abiturienten habe, bei zulassungsbeschränkten Studiengängen einen Studienplatz zu erhalten. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben demnach Abiturientinnen und Abiturienten zum Beispiel eine dreimal schlechtere Chance, ein 1,0-Abitur zu erreichen als in Thüringen. Auch bei den Abiturdurchfallquoten gebe es massive Unterschiede, ohne dass dies ohne Weiteres aus Leistungsunterschieden erklärt werden könnte, so der Verbandsvorsitzende. So fielen in Mecklenburg-Vorpommern mit seinem sechsjährigen Gymnasialgang (7 – 12) dreimal so viele Abiturienten durch die Abiturprüfung als etwa in Thüringen und Rheinland-Pfalz.

Darüber hinaus kritisierte Meidinger die sich im Statistikvergleich mit dem Jahr 2006 offenbarende zunehmende Bestnoteninflation. Er betonte: “Ich gönne jeder Abiturientin, jedem Abiturienten gute Noten. Das massive Lifting einzelner Länderschnitte und die dramatische Zunahme von 1,0-Schnitten in einzelnen Bundesländern in den letzten 8 Jahren kann aber kaum mehr allein mit Leistungssteigerungen erklärt werden und entwertet die Aussagekraft von Noten generell.”

So hätten sich die 1,0-Abiturschnitte von 2006 bis 2014, selbst wenn man sich nur auf die prozentuale Verteilung bezieht, in Berlin mehr als verfünffacht, in Brandenburg verdreifacht und in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen verdoppelt. Dem Inflationstrend entgegengestellt hätten sich lediglich wenige Länder wie etwa Sachsen-Anhalt und das Saarland.

Ferner wies Meidinger darauf hin, dass nicht nur leistungsunabhängige Benotungsunterschiede zwischen den Ländern die Bildungsungerechtigkeit bei der Abiturvergabe fördern, sondern auch nach wie vor unterschiedliche Regelungen, was etwa verpflichtende Abiturfächer, Einbringungsverfahren und Existenz von Leistungskursen betrifft.

Der DPhV-Vorsitzende forderte die KMK auf, im Sinne einer wirklichen Transparenz zukünftig auch nach Schularten differenzierte Abiturergebnisse vorzulegen, also allgemeinbildende Gymnasien, berufliche Gymnasien und Gesamtschulen gesondert auszuweisen.

Pressemeldung des Deutschen Philologenverbands (DPhV) vom 17.11.2015.
Quelle: bildungsklick.de

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