Kultusminister Lorz betont gemeinsamen Willen zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch

„Gutes Lesen und korrektes Schreiben sind Kernaufgabe der Schule“

Wiesbaden (pm) – „Unsere Deutsche Sprache ist Bildungs- und Unterrichtssprache. Ohne ausreichende Grundkompetenzen im Lesen und Schreiben ist auch in allen anderen Fächern kein schulischer Erfolg möglich. Deshalb bin ich den Fraktionen von CDU und Grünen im Hessischen Landtag sehr dankbar, dass sie mit ihrem Plenarantrag zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch in dieser Woche nicht nur ein Zeichen setzen, sondern konkrete Vorschläge unterbreiten”, erklärte Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz.

2017-03-11_to-write-774648_640 „Die Stärkung unserer Sprache in all ihren Facetten ist eine zentrale Aufgabe, die wir in allen Bildungsgängen und in allen Schulformen mit großer Ernsthaftigkeit und Professionalität verfolgen müssen und verfolgen werden“, so der Kultusminister. Dafür soll sowohl im Unterricht als auch in der Lehrerfortbildung ein Schwerpunkt auf die korrekte Rechtschreibung und deren Didaktik gelegt werden. Ein Instrument könne dabei die Einführung eines Grundwortschatzes sein, den die Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit in Wort und Schrift beherrschen sollen.

„‘Schreiben nach Gehör‘ ist Unsinn – die Vermittlung korrekten Schreibens ist Basis-Aufgabe der Grundschulen“

Ein Vorwurf, den man in jüngster Zeit immer wieder hört, lautet: „In der Grundschule wird die Rechtschreibung nicht mehr korrigiert!“ Dem widersprach Lorz sehr deutlich: „Selbstverständlich ist es Ziel der Grundschule, dass Kinder normgerecht schreiben können.“ Und dies könne nur gelingen, wenn von Anfang an auf die orthographisch korrekte Schreibung geachtet werde. Denn: „Lesen und Schreiben sind Schlüsselqualifikationen, die die Teilhabe am Leben einer medialen und auf Kommunikation ausgerichteten Gesellschaft erst ermöglichen.“

Die Aussage, dass Rechtschreibung nicht mehr korrigiert werde, wird oft mit der Verwendung der Anlauttabelle gleichgesetzt. Mit dieser können die Kinder zu Beginn der ersten Klasse schon eigene Texte schreiben. Dagegen ist nichts zu sagen. „Wogegen aber etwas zu sagen und was nicht hilfreich wäre, wäre es, die Rechtschreibung der Kinder nicht mehr zu korrigieren. Denn: ‘Schreiben nach Gehör’ ist Unsinn! Aber genau das passiert auch nicht. Es gibt keine Rechtschreib-Anarchie in hessischen Grundschulen“, betonte der Kultusminister.

Es könne schließlich nicht sein, dass am Ende der Grundschulzeit jedes Kind schreibt, wie es will. Rechtschreibung muss gelernt werden. So ist es selbstverständlich Aufgabe der Lehrkraft, die Fehler der Kinder zu korrigieren und an der Entwicklung der Rechtschreibstrategien mit den Kindern zu arbeiten. „Unsere Lehrerinnen und Lehrer wissen, dass sie nicht darauf vertrauen können, dass die Kinder sich Rechtschreibung auf geheimnisvolle Weise selbst aneignen – aber das tun sie auch nicht! Und ich muss mich als Hessischer Kultusminister auch ganz deutlich dagegen verwahren, dass unseren Grundschullehrkräften etwas anderes unterstellt wird.“ Die Vermittlung der Kulturtechnik des korrekten Schreibens gehört zu den absoluten Basis-Aufgaben in der Grundschule. „Unsere Grundschullehrkräfte sind versierte Spezialisten, die dies in einer anspruchsvollen Ausbildung erlernt haben. Es gehört zu den Fundamenten ihrer täglichen professionellen Arbeit“, so Lorz.

Schulen unterstützen durch Schulberatung und Fortbildung

Zum Erwerb von Rechtschreibsicherheit hat das Kultusministerium Bildungsstandards festgelegt, die am Ende der Jahrgangsstufe 4 erreicht werden müssen. Die Schülerinnen und Schüler sollen geübte Wörter normgerecht schreiben, Rechtschreibstrategien reflektieren sowie Rechtschreibhilfen nutzen können. Die Rechtschreibung ist damit ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts der Grundschule. Darüber hinaus legt jede Grundschule vor dem Hintergrund ihres pädagogischen Konzeptes fest, mit welcher Methode die Kinder Lesen und Schreiben lernen. Die Schulverwaltung unterstützt bei der Erarbeitung pädagogischer Konzepte durch den Einsatz der neu installierten Schulberater. Und über das Prio-Thema Lesen-Schreiben-Rechnen setzen Kultusministerium und Lehrkräfteakademie einen Schwerpunkt im Fortbildungskonzept für Lehrkräfte.

Handschrift ist und bleibt ein wichtiges Kulturgut

Selbstverständlich hält die Hessische Landesregierung auch die Handschrift für ein Kulturgut, das gepflegt werden muss. Deshalb wird im Kerncurriculum für die Grundschulen explizit ausgewiesen, dass die „Lernenden eine gut lesbare Handschrift entwickeln“ sollen, damit die schriftliche Kommunikation gelingen kann. Das Erlernen einer Schreibschrift erfolgt, nachdem das Kind alle Druckbuchstaben sicher schreiben kann. „Die Kinder lernen also in hessischen Grundschulen eine Schreibschrift – das ist so und das wird auch so bleiben“, betonte der Kultusminister.

Aufgrund zunehmender Unsicherheit darüber, was an den Schulen gelehrt wird, sollen Eltern sollen früh eingebunden und über die Grundsätze des Schriftspracherwerbs informiert werden. Die Landesregierung wird daher künftig allen Eltern von Schulanfängerinnen und -anfängern ein Informationsheft zur Verfügung stellen, das kurz und knapp aufzeigt, worum es beim Schreibenlernen geht und was die Ziele der Grundschule in diesem Bereich sind. „Die Einbindung der Eltern in den Bildungsprozess der Kinder ist aus unserer Sicht unverzichtbar und hier gilt es, eine hohe Transparenz über Ziele und Inhalte herzustellen“, erklärte Lorz weiter.

Einführung eines Grundwortschatzes

Um die Lehrkräfte bei der Vermittlung von Rechtschreibkompetenz zu unterstützen und um eine einheitliche Grundlage und Orientierungshilfe für Lehrkräfte sowie für Eltern und Schülerinnen und Schüler zu bieten, wird zum Schuljahr 2017/18 ein Grundwortschatz zur Verfügung gestellt. Was soll dieser Grundwortschatz leisten? Auch heute schon lernen die Schülerinnen und Schüler in den hessischen Grundschulen systematisch aufeinander aufbauend Rechtschreibregeln und -strategien an geeignetem Wortmaterial kennen. Diese Strategien und Regeln wenden sie anschließend im Zusammenhang mit neuen Wörtern an. Der Grundwortschatz mit seinen vorgegebenen Wörtern soll zusätzlich als Hilfestellung zum systematischen Aufbau von Rechtschreibkompetenzen von Beginn an beitragen. Zum einen wird der Grundwortschatz häufige Wörter des Sprachgebrauchs umfassen. Darüber hinaus werden ausgewählte „Modellwörter“ Eingang finden, anhand derer Rechtschreibstrategien und -regeln vermittelt werden können.

„Der Grundwortschatz wird den Grundschulen zum kommenden Schuljahr zur Verfügung gestellt und erst nachdem die Grundschulen Gelegenheit dazu hatten, Erfahrungen im Umgang mit dem Grundwortschatz zu sammeln, die Arbeit damit zu erproben, nachdem sie dann entsprechende Rückmeldungen dazu wie auch zu seiner Zusammenstellung geben konnten, wird er verbindlich werden. So begeben wir uns auf einen Weg des Austauschs mit unseren Lehrkräften. Wir geben dem Prozess Zeit und setzen auf die Expertise der Praxis vor Ort, die uns wichtige Hinweise für diese Orientierungshilfe geben wird“, erläuterte der Kultusminister.

„Wer am Leben einer auf Kommunikation ausgerichteten Gesellschaft teilhaben möchte, muss ein kompetenter Schreiber werden, der Schrift- und Schreibnormen bei der Produktion von Texten anwenden kann und in der Lage ist, eigene Texte zu überarbeiten. Rechtschreibkompetenz ist wichtig, sie ist aber kein Selbstzweck. Sie hat vielmehr eine dienende Funktion, so dass Texte leichter lesbar werden. Und wir als Bildungsverwaltung unterstützen die Schulen dabei, unsere Kinder auf ihrem Weg zu kompetenten Schreibern zu begleiten“, so Lorz abschließend.

Pressemeldung des Kultusministeriums Hessen vom 8.5.2017.

Merken

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Hilfe

WordPress theme: Kippis 1.15