Mehr Freiräume für Kinder und Jugendliche: Schulen und Künstler/innen arbeiten zusammen

Bundesweite Fachtagung reflektiert, wie Einrichtungen und Künstler/innen in Bildungslandschaften erfolgreich kooperieren können.

Berlin (pm) – Kinder und Jugendliche profitieren davon, dass Schulen und außerschulische Bildungseinrichtungen miteinander und mit vielfältigen Akteuren kooperieren und dabei die Expertise unterschiedlicher Fachkräfte einbinden. Zum Beispiel von Künstler/innen, die oft gemeinsam mit Pädagog/innen kulturell-künstlerische Projekte für Kinder und Jugendliche umsetzen. Die Möglichkeiten und Herausforderungen, die in dieser Zusammenarbeit zwischen künstlerischer und pädagogischer Praxis liegen, diskutieren heute Lehrer/innen, Künstler/innen, Fachkräfte aus dem Feld der Kulturellen Bildung sowie Wissenschaftler/innen auf der bundesweiten Fachtagung „Perspektive Künste – Arbeitsfeld Kulturelle Bildung“ in Berlin. Zur Fachtagung hat die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) in Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg eingeladen.

Diese Kooperationen und die damit verbundenen künstlerischen Ansätze und Perspektiven können Freiräume schaffen, in denen es für Kinder und Jugendliche möglich ist, sich mittels der Künste auszudrücken und zu positionieren, selbstbestimmt und partizipativ. Damit kann der Institutionalisierung und Pädagogisierung des Aufwachsens eine neue Perspektive entgegengesetzt werden – die des Freiraums. Diese Freiräume und ein weites Verständnis von Bildung und Kooperation in der Ganztagsschule werden auch im 15. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung, der kürzlich veröffentlicht worden ist, gefordert.

Doch welche Angebote der Qualifizierung und Reflexion brauchen Kunst- und Kulturschaffende, um dieser Aufgabe in Ganztagsschulen und Bildungslandschaften mit deren jeweiligen fachlichen und strukturellen Herausforderungen nachgehen zu können? Hier setzt die Weiterbildung „Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation“, die BKJ, DKJS und die Universität Oldenburg seit 2015 für Kunst – und Kulturschaffende entwickelt und mit ihnen modellhaft erprobt haben, an. Auf der Fachtagung werden die Erkenntnisse präsentiert und diskutiert.

Prof. Dr. Gerd Taube, Vorstandsvorsitzender der BKJ sagt dazu im Rahmen der Fachtagung: „Die meisten Künstler/innen sind sehr daran interessiert, Kinder und Jugendliche für ihre Kunst zu begeistern. Deshalb ist es nicht schwer, sie für kulturelle Projekte zu gewinnen. Eine größere Herausforderung ist es allerdings, sie nachhaltig als Partner/innen von Bildungseinrichtungen einzubinden. Die professionellen Perspektiven von Pädagog/innen und Künstler/innen auf das Arbeitsfeld der jeweils anderen sind höchst unterschiedlich. Und im Alltag von Kooperationen und Projekten ist oft keine Gelegenheit, diese Unterschiede zu reflektieren. Aber für gelingende Kooperationen brauchen wir den Dialog und die Offenheit beider Seiten. Wir als BKJ setzen uns mit unseren Partnern dafür ein, Plattformen und Qualifizierungsangebote zu schaffen, um Akteure in der Kulturellen Bildung in ihrer Kooperation zu unterstützen und ihre Potenziale damit besser zur Wirkung zu bringen. Dafür brauchen wir neben der finanziellen Förderung der öffentlichen Hand das Engagement und die weitere Entwicklungsbereitschaft der Einrichtungen im Bildungs-, Jugend- und Kulturbereich.“

Besonders bedeutsam sind auch die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Künste und Bildung und die interprofessionelle Kompetenz. Prof. Dr. Karsten Speck, Projektleiter der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation des „Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation“ am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, beschreibt: „Ganztagsschulen und lokale Bildungslandschaften entwickeln sich zunehmend zu Orten, an denen unterschiedliche Professionen tätig sind. Die Praxiserfahrungen und Forschungsbefunde zeigen, dass Künstler/innen und Kulturschaffende mit Schulen und Lokalen Bildungslandschaften gewinnbringend, d. h. im Interesse von Kindern und Jugendlichen, zusammenarbeiten können. Hierfür sind jedoch zum einen grundlegende finanzielle, räumliche und personelle Rahmenbedingungen erforderlich. Zum anderen ist es mindestens ebenso wichtig, dass auf beiden Seiten eine Klarheit über die eigenen Kompetenzen, Ziele und Grenzen besteht, eine gegenseitige Öffnung, Kommunikation und Abstimmung stattfindet sowie die gemeinsamen Kooperationsaktivitäten reflektiert und weiterentwickelt werden.“

Eine wichtige Empfehlung ist außerdem, dass sich die Systeme von Ganztagsschule und Bildungslandschaften weiterentwickeln sollten, um anschlussfähig für Kunst- und Kulturschaffende zu sein. Und das lohnt sich. Andreas Knoke, Leiter der Programmabteilung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, betont in seinem Grußwort: „Gutes Aufwachsen und Lernen von Kindern und Jugendlichen sind eng mit hochwertigen Angeboten Kultureller Bildung verknüpft. Umso wichtiger ist es, dass Kunst- und Kulturschaffende zu festen und anerkannten Kooperationspartnern an Ganztagsschulen und in Bildungslandschaften werden. Mit ihrer besonderen Expertise, ihrer authentischen Haltung und ihren Ansprüchen an künstlerische Qualität können sie gemeinsam mit Pädagoginnen und Pädagogen zum Bildungserfolg junger Menschen beitragen.“

In Werkstätten mit künstlerischen Methoden, in Impulsvorträgen und Debatten reflektieren die 100 Teilnehmer/innen der Fachtagung auch grundlegende Fragen danach, welche Bedeutung Kulturelle Bildung beim Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen tatsächlich hat, wie die Qualität entwickelt und gesichert und wie dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen gestaltet werden können.

Die Fachtagung „Perspektive Künste – Arbeitsfeld Kulturelle Bildung“ bildet den Abschluss für das Entwicklungs-, Erprobungs- und Forschungsprojekt „Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation“ zur Qualifizierung von Kunst- und Kulturschaffenden.

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Über den Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation

Der Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation ist eine spartenunabhängige Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende. Er ist in Modulen aufgebaut, die Wissen und Methoden vermitteln, Praxisaufgaben und -erfahrungen reflektieren, Coaching und Beratung bieten. Die Weiterbildung entsteht im Austausch mit Praxis und Wissenschaft.
Der Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation ist zugleich ein Forschungsprojekt, welches wissenschaftlich durch die Universität Oldenburg begleitet und ausgewertet wird. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und mit Experten/innen diskutiert. Das Weiterbildungskonzept soll übertragen und verstetigt werden.
Der Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation wird 2014 bis 2017 im Verbund der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ), der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und der Universität Oldenburg entwickelt und umgesetzt und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. www.kompetenzkurs.de

Titelbild Arbeitshilfe Perspektive KünsteDie Publikation „Perspektive Künste – Arbeitsfeld Kulturelle Bildung. Texte, Materialien, Methoden für Kulturschaffende“ soll Kunst- und Kulturschaffende bei der Konzeption, Durchführung und Reflexion von künstlerisch-kulturellen Angeboten für Kinder und Jugendliche in Ganztagsschulen oder in lokalen Bildungslandschaften unterstützen.

Weitere Informationen: https://www.bkj.de/pub./kostenfreie-publikationen.html

Über die BKJ

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) ist der Dachverband der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland. Sie ist ein Zusammenschluss von 56 bundesweit agierenden schulischen und außerschulischen Institutionen, Fachverbänden und Landesdach­organisationen der Kulturellen Bildung. Die Mitgliedsorganisationen repräsentieren die unterschiedlichen Künste, Kultursparten und kulturpädagogischen Handlungsfelder. Ihr Ziel ist die Weiterentwicklung und Förderung der Kulturellen Bildung: gesellschaftlich sensibel, nachhaltig, möglichst für jeden Menschen zugänglich, von Anfang an und ein Leben lang. www.bkj.de.

Presseinformation der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) vom 5.5.2017.

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