Mit Geschichten wachsen

Gastbeitrag der Stiftung Lesen

Frühkindliche Leseförderung in der Familie mit „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“

(c) Stiftung Lesen/BMBF/Tamara König

Mit ihrer Initiative “Lesestart” will die Stiftung Lesen es Kindern ermöglichen, schon früh den Weg in die Welt der Bücher zu finden. (c) Stiftung Lesen/BMBF/Tamara König

Bereits in frühester Kindheit wird das Fundament für spätere Bildungschancen gelegt, denn schon kleine Kinder bringen die besten Voraussetzungen mit, um später begeisterte Leser zu werden: Neugierde, Abenteuerlust und Wissbegierde. Eltern können diese Eigenschaften fördern, indem sie das Vorlesen und Erzählen in den Familienalltag integrieren und damit die Lust aufs Lesen wecken. Unterstützt werden sie dabei zum Beispiel vom bundesweiten frühkindlichen Leseförderprogramm „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und von der Stiftung Lesen durchgeführt wird.

Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, Kindern schon früh die Welt der Geschichten zu eröffnen und so die Lesefreude von klein auf zu fördern, denn die Weichen für eine erfolgreiche Bildungsbiografie werden im Elternhaus gestellt: Zu diesem Zweck begleitet das Lesestart-Programm Kinder und Eltern in den entscheidenden frühen Jahren bis zur Einschulung. Dreimal erhalten Kinder in ihren ersten sechs Lebensjahren ein altersgerechtes Buch und die Eltern Tipps und Informationen zu den Themen Vorlesen und Erzählen.

Was genau leistet das Vorlesen und Erzählen?

Kinder, die schon früh mit Büchern und Geschichten in Berührung kommen, lernen später leichter lesen und haben mehr Freude daran. Auch wenn die Konzentration und Ausdauer für längere Vorlesezeiten noch nicht ausreicht, nehmen kleinere Kinder, die vorgelesen bekommen, Bücher als selbstverständlichen und positiv besetzten Gegenstand im Familienalltag wahr und verbinden das Lesen auch später in der Schule nicht mit Noten- und Leistungsdruck.

Indem Eltern das Vorlesen und Erzählen im Familienalltag verankern, geben sie ihren Kindern viele Kompetenzen für ihre kognitive und persönliche Entwicklung mit auf den Weg: Die Beschäftigung mit Lesemedien, das Vorlesen und Erzählen schulen die kindliche Fantasie und Vorstellungskraft ebenso wie die Konzentrationsfähigkeit, das Sprach- und Textverständnis. Kinder, denen vorgelesen und erzählt wird, erlernen intuitiv grammatikalische Regeln und erweitern ihren Wortschatz. Die Beschäftigung mit Büchern hilft ihnen dabei, Eindrücke aus ihrem Alltag zu verarbeiten und die Welt um sich herum besser zu begreifen. Dies gilt auch für die Beziehung kleiner Kinder zu ihrer Umwelt, denn das Vorlesen und Erzählen fördert soziale und emotionale Kompetenzen: Durch die Identifikation mit Charakteren aus Geschichten lernen sie, sich mit ihrer eigenen Gefühlswelt und der anderer auseinanderzusetzen.

Dass das Vorlesen auch eine längerfristige soziale Bedeutung hat, weist die Vorlesestudie 2015 von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung nach: Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wird, sind häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt, selbst jenseits ihres unmittelbaren Umfelds.

Lesestart begleitet Familien vom ersten Lebensjahr bis zum Schulbeginn

Herzstück des Programms „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ sind die kostenlosen Lesestart-Sets, die ein altersgerechtes Kinderbuch sowie Tipps und Informationen zum Vorlesen und Erzählen für Eltern beinhalten. Für die erste Lesestart-Programmphase, die sich an Eltern mit einjährigen Kindern richtet, sind von November 2011 bis Ende 2013 rund 5.000 Kinder- und Jugendärzte mit Lesestart-Sets zur Weitergabe im Rahmen der U6-Vorsorgeuntersuchung ausgestattet worden. Seit November 2013 bekommen Eltern mit dreijährigen Kindern das zweite Lesestart-Set in ihrer teilnehmenden Bibliothek vor Ort.

(c) Stiftung Lesen/BMBF /Tamara König

Das Lesestart-Set erhalten Eltern und Kinder zum Beispiel in ihrer Bibliothek vor Ort. (c) Stiftung Lesen/BMBF /Tamara König

Seit Herbst 2015 sind auch Kinder- und Jugendarztpraxen wieder involviert: Dort erhalten Eltern mit dreijährigen Kindern im Rahmen der U7a-Untersuchung flankierend zur zweiten Programmphase ein altersgerechtes Pixi-Buch. Zudem liegt in den Wartezimmern jeweils eine Ringbuch-Ausgabe des aktuellen Lesestart-Ratgebers aus. Im Gespräch über den aktuellen Entwicklungsstand des Kindes können Kinder- und Jugendärzte die Eltern gezielt darauf aufmerksam machen, dass sie gemeinsam mit ihrem Kind die Bibliothek vor Ort besuchen, um dort ein neues Lesestart-Set zu erhalten. Das Pixi-Buch steht zudem als Vorlese-App zur Verfügung und regt mit zahlreichen Animationen zum Vor- und Selberlesen an.

Die dritte Lesestart-Phase startet zum Schuljahresbeginn 2016/17: Alle Grundschulen werden mit Lesestart-Sets für alle Erstklässlerinnen und Erstklässler ausgestattet, die vom Schuljahr 2016/17 bis 2018/19 eingeschult werden. Die kostenfreien Sets enthalten ein altersgerechtes Buch, das die unterschiedlichen Vorerfahrungen der Kinder beim Schuleintritt berücksichtigt, sowie einen mehrsprachigen Vorlese-Ratgeber für Eltern. Die Vorlesetipps sind zusätzlich in Türkisch, Russisch und Polnisch übersetzt. Auf www.lesestart.de steht der Vorlese-Ratgeber zu Programmbeginn in 16 Sprachen zum Download zur Verfügung. Insgesamt werden während der gesamten Laufzeit des Programms rund 4,5 Millionen Lesestart-Sets an Eltern und ihre Kinder übergeben.

Das Konzept des Lesestart-Programms basiert auf einem weitgespannten Netzwerk zur Sprach- und Leseförderung vor Ort: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendärzten, Bibliothekaren, Erziehern und Grundschullehrkräften trägt dazu bei, dass das Programm Breitenwirkung entfaltet und besonders Kinder erreicht, denen wenig vorgelesen wird. Dass die Bibliotheken in Deutschland im Rahmen des Lesestart-Programms tatsächlich nachhaltige Impulse in der frühkindlichen Leseförderung setzen, belegt auch die wissenschaftliche Begleituntersuchung: Im Schnitt steigerte sich das Veranstaltungsangebot durch Lesestart um 36 Prozent pro Monat. Außerdem haben 72 Prozent der Bibliotheken neue Bücher und Medien für die Lesestart-Zielgruppe angeschafft.

Mehr Informationen zu „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ finden Sie auf www.lesestart.de und www.facebook.com/lesestart.

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