Regelmäßiges Üben zu Hause: Tipps für Eltern

Gastbeitrag von einer Lehrerin

Logo_buntes_Klassenzimmer - Kopie (400x300)Lehrer geben zwar regelmäßig und meist auch recht viele Hausaufgaben, um das im Unterricht Gelernte zu Hause zu wiederholen und zu vertiefen. Trotzdem ist es – zumindest während der Grundschulzeit – immens wichtig, dass die Eltern ihre Kinder regelmäßig über die Hausaufgaben hinaus zum Üben anregen.

Die grundlegenden Fertigkeiten, die die Kinder in der Grundschule lernen, können sich nur durch regelmäßiges Üben wirklich entwickeln und verbessern. Die schulische Arbeit reicht nicht aus, aus einem Kind einen guten Leser oder einen guten Rechner zu machen.

Deshalb sollten Eltern ihre Kinder in den folgenden drei Bereichen, zu denen ich ein paar Tipps geben will, regelmäßig fördern:

(Kopf-)Rechnen

Ganz ohne Hilfsmittel können dem Kind immer wieder Rechenaufgaben gestellt werden – während des Autofahrens, auf einem Spaziergang, …

Es bietet sich auch an, Spielzeuge oder andere Dinge und Fragestellungen aus dem Interessensgebiet und der Lebenswelt des Kindes in Rechenaufgaben zu verpacken, wie z.B. “Du hast jetzt schon 7 Spielzeugautos und du willst noch 2 mehr. Wie viele hättest du denn dann?” So können sich gerade die Schulanfänger die Rechenoperationen besser vorstellen und können evtl. sogar die Aufgabe mit dem Material legen.

Im Alltag kann man mit den Kindern auch ganz leicht üben, Zahlen zu lesen. Überall in unserer Umwelt befinden sich Zahlen, die die Kinder lesen können. Natürlich kann man dem Kind auch Aufgaben diktieren, die es dann aufschreibt oder man schreibt eigene auf. Auch mit 2 oder mehreren Würfeln kann das Kind spielerisch rechnen üben.

Lesen:

Wichtig sind meiner Meinung nach drei Punkte:

Leseförderung kann zu Lernerfolgen beitragen. M. Muchow_pixelio.de

Lesen ist wichtig – aber vermitteln Sie Ihrem Kind auch, dass Lesen Spaß macht. (c) M. Muchow_pixelio.de

1. Kinder brauchen ein Lesevorbild – wenn zu Hause keine Bücher vorhanden sind und die Eltern selbst nie lesen, bekommt das Kind auch keine Lesekultur vorgelebt. Sind die Eltern selbst begeisterte Leser, sprechen sie über Bücher und zeigen, wie selbstverständlich aber auch interessant und spannend das Lesen für sie ist.

2. Kinder brauchen ritualisierte und verlässliche Lesezeiten – zum Beispiel eine ruhige Viertelstunde am Nachmittag, das alleine Lesen im Bett oder die Vorlesezeit vorm Schlafengehen. Natürlich können sich auch Eltern und Kind beim Lesen abwechseln. Wichtig ist, dass die Eltern ein Interesse am Buch zeigen. Ganz nebenbei können Sie die Ausdrucksfähigkeit und das Leseverständnis Ihres Kindes fördern, indem sie über das Gelesene und die Bilder sprechen.

3. Kinder brauchen ein Angebot an Büchern, deren Themen sie interessieren. Finden Sie zusammen mit ihrem Kind Bücher, die es begeistern können. Manche Jungs mögen lieber Sachbücher über Erfinder, Dinosaurier oder Weltrekorde. Mädchen mögen manchmal gerne Schulgeschichten oder Pferdegeschichten. Natürlich sollte man das Kind bei der Wahl nicht beeinflussen – es sollte sich selbst entscheiden können, was es gerne hätte. Bieten Sie ihm alles an und reduzieren sie die Auswahl nicht auf geschlechtsspezifische Bücher. Schön ist immer ein Besuch in der Kinderbuchhandlung oder in der Bücherei. Verkäuferinnen oder Bibliothekarinnen wissen oft ganz genau, was sie schönes im Regal stehen haben und können die Kinder meist am besten dazu motivieren, sich ein Buch auszusuchen.

Schreiben

Zweifelsfälle... (c) Webwebwebber_pixelio.de

Am Besten integrieren Sie Schreibübungen in den Alltag. (c) Webwebwebber_pixelio.de

Wörter, Sätze oder Texte zu schreiben kann meist nicht einfach so nebenbei geübt werden und wird von vielen Kindern als anstrengend und eher unschön empfunden. Natürlich können Sie trotzdem, falls es mal weniger oder keine Hausaufgaben gibt, dem Kind ein paar Wörter oder Sätze diktieren oder ihm Wörter vorschreiben, die es dann nachschreibt. Auch um die Schrift zu verbessern sind regelmäßige zusätzliche Übungen von Nöten. Suchen Sie ein kleines Buch heraus und lassen Sie ihr Kind ein paar Zeilen am Tag abschreiben. Es gibt aber auch spielerische Möglichkeiten, das Schreiben ganz nebenher zu üben: beim Lösen von Kreuzworträtseln, beim Schreiben von Postkarten oder Briefchen an Oma/Patentante/Freund/…, beim Beschriften und Erstellen eines eigenen Wörter-Dominos oder -Memorys, usw. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass das Schreiben als Kulturgut einem Nutzen dient. Lassen Sie Ihr Kind die Einkaufsliste schreiben oder eine Memonotiz für den Kühlschrank verfassen.

Bitte nicht übertreiben

Überfordern Sie ihr Kind nicht und übertreiben Sie es auch nicht mit den Übungen! Ein Kind braucht unbedingt auch ausreichend Freizeit, Spiel und Bewegung. Melden Sie Ihr Kind in einem Verein an oder lassen Sie es ein Instrument lernen. Vereinbaren Sie Spielezeiten mit den Freunden. Und nebenher behalten Sie ein waches Auge darauf, dass regelmäßig gelesen, gerechnet und geschrieben wird.

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“Regelmäßiges Üben zu Hause: Tipps für Eltern” ist ursprünglich erschienen am 24.4.2015 auf dem Lehrer-Blog buntes Klassenzimmer. Danke, dass wir den Artikel auf Elternratgeber.info veröffentlichen dürfen!

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Logo_buntes_Klassenzimmer - Kopie (400x300)Die Autorin möchte nicht mit Namen genannt werden. Über sich selber schreibt sie auf ihrem Blog: “Ich bin Lehrerin an einer Grund- und Werkrealschule, aktuell Klassenlehrerin einer 2. Klasse und gleichzeitig Fachlehrerin für Englisch in den Abschlussklassen. Tag ein, Tag aus erlebe ich die gesamte Bandbreite der kindlichen und pubertären Entwicklungsschübe, Lernerfolge, Gefühlsregungen, Streitereien und Glücksmomente. Dabei versuche ich den Spagat zwischen der Mordsgeduld, die notwendig ist, wenn ein chaotischer Zweitklässler seine Arbeitsblätter in seinen Ordner einheften soll, und der Coolness, die ich brauche, um auf die provokanten Fragen und Äußerungen der Teenies zu reagieren.”

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