Rheinland-Pfalz: Ferienregelung flexibler gestalten!

Mainz (pm) – Die rheinland-pfälzischen Eltern wünschen sich, dass die Ferienregelung der „kleinen Ferien“ im Land, flexibilisiert werden, dies insbesondere dahingehend, dass es eine flexiblere Regelung zwischen Winter- und Frühlingsferien in Abhängigkeit der Lage von Ostern und der Sommerferien geben sollte. Dies kann als Ergebnis der Umfrage des LandesElternBeirats (LEB) eindeutig festgehalten werden.

Im Unterschied zur Umfrage von 2005, die aber nur auf einer sehr kleinen Stichprobe beruhte, wünschen heute 73 % der an der Umfrage teilnehmenden Eltern eine Änderung. Die Umfrage liefert weiterhin den Hinweis, dass die Eltern einer stärkeren Freigabe von Ferientagen zur Entscheidung durch die Schulen eine deutliche Absage erteilen und dass generelle Winterferien in der Fastnachtszeit nur auf geringe Zustimmung stoßen würden.

Votum für Veränderung

Ganz klar spricht aus den Zahlen, dass die rheinland-pfälzischen Eltern für Veränderung sind. Lediglich rund 27% der Eltern wollen, dass die Ferienregelung der kleinen Ferien unverändert bleibt. Dies bedeutet, rund ¾ der Eltern sind mit der aktuellen Ferienregelung nicht zufrieden.

Betrachtet man die Gesamtheit derer, die eine Veränderung wünschen, so liegen zwei Favoriten eng beisammen. Nur um knapp einen Prozentpunkt unterscheiden sich hier die Präferenzen. Knapp hat sich die Mehrheit der Eltern mit rund 38% für das „Modell 4“ entschieden, die Einführung einer flexiblen Regelung zwischen Winter- und Frühlingsferien, je nach der jährlichen Lage von Ostern und Sommerferienbeginn. Aber auch rund 37% der veränderungswilligen Eltern stimmten für das „Modell 3“, generelle Frühlingsferien um Pfingsten herum. Die Differenz zwischen diesen Entscheidungen liegt allerdings im Zufallsbereich, da es sich nur um ca. 100 Stimmen Unterschied handelt.

Winterferien um die Faschingszeit

Der Vorschlag allgemeiner Winterferien um die Faschingszeit unter evtl. Verkürzung der Osterferien hingegen fand um gut 1700 Stimmen geringere Zustimmung (21% derer, die Veränderung wünschen), was im Vergleich zu den beiden anderen Modellen im Grunde als Ablehnung gedeutet werden kann. Noch deutlicher ist die Ablehnung nur für das Modell 5, der Einführung einer für die Schulen flexiblen Ferienwoche, das mit ca. 500 Stimmen nur etwa 5 Prozent Befürworter findet.

Wunsch nach Veränderung ist gestiegen

Sommerferien Foto: twinlili_pixelio.de

Ferienzeit … (c) twinlili_pixelio.de

Der Wunsch nach Veränderung der bestehenden Ferienregelung ist gegenüber der vor neun Jahren vom LEB durchgeführten Umfrage – damals wurden nur die Schulelternbeiräte angeschrieben – ganz erheblich angestiegen: Waren damals noch 45% der Eltern dafür, dass sich nichts verändern soll, die Ferienregelung so bleiben soll wie sie ist, sind dies in 2014 nur noch 28%. Allerdings auf einer um ein Vielfaches größeren Grundgesamtheit: An der Umfrage 2014 haben 14.277 Eltern teilgenommen (2005: ca. 650). Bei geschätzt ca. 241.000 Familien in Rheinland-Pfalz hat die Umfrage des LEB damit eine Rücklaufquote von ca. 6% erreicht, ein für offene Befragungen unerwartet hohes Ergebnis, das als Hinweis darauf gedeutet werden kann, dass es sich um ein für die Betroffenen wirklich wichtiges Thema handelt.

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass es bei den Eltern in Kreisen und Städten, die an benachbarte Bundesländer grenzen, immer erkennbare Präferenzen für die Ferienregelungen in den (deutschen) Nachbarländern gibt. Und es gibt in dem Wunsch nach Veränderung in der jetzigen Ferienregelung keine aussagekräftigen Unterschiede zwischen den Schulformen, die das jeweils jüngste Kind der an der Abstimmung beteiligten Eltern besucht.

Zwar haben etliche Eltern dem LEB weitergehende Wünsche hinsichtlich Veränderungen der Sommerferienregelung (der Wunsch nach Verkürzung wird mehrfach geäußert) oder Verlängerung von Weihnachtsferien mitgeteilt, dies wird aber von anderen genauso deutlich abgelehnt. Deutlich wurde allerdings in vielen Mitteilungen, dass die Zusatztage, welche Weihnachts- und Ostferien um die Feiertage verlängern, in eine Ferienumverteilung einbezogen werden könnten.

Flexible Gestaltung der Ferientermine im Frühjahr

Bedenkt man die enge „Verwandtschaft“ der beiden Modelle 3 und 4 (Modell 3 ist in 4 enthalten), so ergibt sich aus der Sicht der Bearbeiter im LEB die Empfehlung an die Landesregierung, die Einführung einer flexiblen Gestaltung der Ferientermine im Frühjahr und Frühsommer ins Kalkül zu ziehen. Dabei sollten die jeweilige Lage der Osterzeit und der Beginn der Sommerferien die Eckpunkte sein, anhand deren bestimmt werden kann, ob und wann in einem Jahr durch Einführung von Frühlings- oder Pfingstferien eine bessere Verteilung von Schul- und Erholungszeiten zu erreichen ist.

Gleichgewicht zwischen Arbeits-und Erholungsphasen

Ziel sollte dabei aus der Sicht des LEB sein, eine nach pädagogischen Gesichtspunkten optimale Zeiteinteilung von Arbeits-und Erholungsphasen in der Schule anzustreben. Aus Sicht des LEB stellt diese Umfrage einen deutlichen Schritt nach vorne dar, was die Elternpartizipation bei der Gestaltung von Schule angeht. Die Eltern wollen nicht mehr, dass über sie hinweg Politik gemacht wird, d.h. Ferien festgelegt werden, ohne dass der Wunsch der Eltern berücksichtig wird. Dabei ist dem LEB bewusst, dass im schulischen Bereich bei der Ferienplanung vor allem auch lernpsychologische und pädagogische Motive leitend sein sollen. Eine unter diesen Gesichtspunkt zu stellende Forderung ist sicherlich, dass der Abstand zwischen den Ferien verringert werden sollte, damit die Rhythmisierung von Lernen und Erholen gleichmäßig stattfinden kann und dies nicht nur auf der Mikroebene der Schulstunde, sondern auch über den Schultag hinweg bis zur Makroebene Schuljahr hinauf.

Mindestens sechswöchige Unterrichtsphasen

Wenn Staatsministerin Doris Ahnen davon spricht, dass „sich mindestens sechswöchige Unterrichtsphasen als pädagogisch sinnvoll erwiesen, um ein Mindestmaß an schulischer und unterrichtlicher Kontinuität zu sichern (Ahnen 10/9/2014, p. 2)“, dann liegt das Land Rheinland-Pfalz derzeit und im Schuljahr 2016/2017 teilweise deutlich über diesen sechs Wochen. Hier zeigt sich aus Sicht des LEB noch Luft für eine kleine Veränderung der kleinen Ferien. So ist der Abstand zwischen den Weihnachtsferien und den Osterferien in den Schuljahren zwischen 2013/2014 und 2016/2017 nie kleiner als zehn Wochen, meist sogar deutlich länger (im Durchschnitt 12,2 Wochen). Gleiches gilt auch für den Abstand zwischen Osterferien und Sommerferien (Durchschnitt in den genannten Jahren 13,6 Wochen).

Möglichkeit zur Optimierung

Hier ist eindeutig die Möglichkeit zur Optimierung gegeben. Würde dem Elternwunsch Rechnung getragen, könnten genau in solchen Zeitfenstern Ferien implementiert und somit die Lernphasen in der Rhythmisierung etwas gleichmäßiger gestaltet werden. Allerdings ist aus den Äußerungen von nicht wenigen Eltern im Verlauf der Umfrage zusätzlich ein weiteres Problem deutlich geworden, das in gesellschaftspolitischen Veränderungen wurzelt und auf das es in diesem Zusammenhang auch hinzuweisen gilt: Häufig wird von Eltern bemängelt, dass die Dauer von Urlaubs- und Ferienzeiten nicht zur Deckung zu bringen ist. Das Problem wird von Alleinerziehenden wie von Doppelverdiener- Paaren benannt. Der Wunsch nach mehr Betreuungsangeboten für die Ferien wird sehr deutlich geäußert. Hier scheint es in RLP vor allem in der Fläche Bedarf zu geben, der von Kommunen und freien Trägern bisher nicht überall zureichend gedeckt wird.

Pressemeldung des LandesElternBeirats Rheinland-Pfalz vom 3.11.2014

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