Rheinland-Pfalz: VBE erwartet dramatische Engpässe beim Bildungsangebot

Schulpolitik / Unterrichtsversorgung an Grundschulen in Rheinland-Pfalz:

VBE-Landeschef Gerhard Bold: Unterrichtsversorgung an Grundschulen ist ein Graus

„Individuelle Förderung ist das Papier nicht mehr wert, auf dem sie im Schulgesetz steht.“

Mainz (pm) – „Nach den Herbstferien rechnet der VBE Rheinland-Pfalz mit gravierenden Versorgungsengpässen und Unterrichtsausfällen an den Grundschulen in Rheinland-Pfalz. Nach unseren Recherchen  gibt es an den Schulen so gut wie keine „Feuerwehrlehrer“ mehr, die auch wirklich in akuten Fällen – verursacht zum Beispiel durch Krankheit – eingesetzt werden können. Vielmehr werden Feuerwehrlehrkräfte ganz regulär mit langfristigen Klassenleitungen beauftragt. Die Folge ist, dass im Krankheitsfall Klassen zusammengelegt oder nach Hause geschickt werden müssen.

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In den Grundschulen in Rheinland-Pfalz fehlen Lehrer, so der VBE. Die Arbeitsbedingungen seien zu schlecht. (c) pixabay

In dieser Situation drückt sich ein eklatanter Lehrermangel im Grundschulbereich aus, der von der Landesregierung letztlich hausgemacht ist. So müssen an zahlreichen Grundschulen die Klassen wieder größer werden, weil Lehrkräfte fehlen. Sogar Studierende werden im Unterricht eingesetzt. Der Grund: Eine stetige Verdichtung der Arbeitsbedingungen, mangelhafte Unterstützung durch die Schulpolitik und eine Null bei den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten machen in Rheinland-Pfalz den Lehrerberuf an Grundschulen immer unattraktiver – von der sachlich und fachlich nicht begründbaren Schlechtersterstellung bei der Bezahlung ganz zu schweigen. Kein Wunder, wenn mehr und mehr Absolventinnen und Absolventen der Universitäten in benachbarte Bundesländer wechseln, dort sind die Arbeitsbedingungen häufig besser.

Wenn die Landesregierung nicht endlich beginnt, den Bereich der Grundbildung in Rheinland-Pfalz besser auszustatten, wie es ihres verfassungsgemäßen Auftrags entspräche, werden die pädagogischen Ziele der Grundschule kaum noch eingehalten werden können. Dies drückt sich dann nicht nur in schlechten Schülerleistungen im bundesweiten Vergleich aus, sondern vor allem an den weiterbildenden Schulen, die auf hochwertige Grundschulbildung setzen.“

Zum Unterrichtsbeginn nach den Herbstferien 2016 äußerte sich heute in Mainz der Landesvorsitzende der rheinland-pfälzischen Lehrergewerkschaft VBE, Gerhard Bold, zur Unterrichtssituation an den Schulen, insbesondere an den Grundschulen.

Der VBE-Landeschef: „Jeder weiß es: Unter Unterrichtsausfall leiden zu aller erst die Schwachen, jene, die besonderer Förderung bedürfen. Das sind beeinträchtigte Kinder im Rahmen der Inklusion, das sind aber auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien, deren soziale und pädagogische Integration gerade erst begonnen hat.“

Beeinträchtigt werde aber auch insgesamt die gesetzlich garantierte individuelle Förderung, die die Grundlage der Chancengleichheit sei – als Eckpfeiler unserer Demokratie.

Gerhard Bold: „Die individuelle Förderung ist unter den Bedingungen dieser Mangelsituation zurzeit das Papier nicht mehr wert, auf dem sie im Schulgesetz steht. Das hat auch die letzte VBE-Umfrage an den Grundschulen des Landes ergeben. Danach sind 75% der Schulen nicht ausreichend für den regulären Förderunterricht ausgestattet – weder personell noch materiell. Es wird Zeit, dass sich daran etwas ändert. Die Folgen dieser Rotstiftpolitik verspüren wir nicht nur heute, sondern vor allem morgen. Zurzeit ist die Unterrichtsversorgung an unseren Grundschulen ein Graus.“

Pressemeldung des VBE Rheinland-Pfalz vom 21.10.2016.

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