Schulen brauchen mehr Raum für Beziehungsarbeit

BLLV-Präsidentin: „Eine gute Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist ausschlaggebend für den Lernerfolg – der Druck des ständigen Benotens steht ihr aber im Weg“

München (pm)Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, hat mehr Zeit für Beziehungsarbeit an Schulen gefordert. „Für erfolgreiche Lernprozesse sind gute Beziehungen zwischen Schülern und Lehrkräften ausschlaggebend“, erklärte sie heute in München. Aus der Praxis wisse sie, dass Lehrkräfte gute Beziehungen zu ihren Schülern aufbauen wollten. Im Weg stehen würde ihnen aber der Druck des ständigen Bewertens und Benotens. „Lehrerinnen und Lehrer sind gezwungen, vor allem auf das hinzuweisen, was falsch ist oder was fehlt“, erklärte sie. Fleischmann forderte das Kultusministerium auf, den gängigen Umgang mit Fehlern kritisch zu überdenken und den Lehrkräften aller Schularten mehr Raum für gute Beziehungsarbeit zu ermöglichen.

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Bei schulischen Misserfolgen brauchen Kinder Unterstützung. (c) Anne Garti_pixelio.de

Natürlich gehe jedes Kind anders mit schulischen Misserfolgen um – und natürlich werde an den Schulen auch viel gelobt. „Es geht aber darum, wie Lehrerinnen und Lehrer mit Fehlern umgehen müssen und was dabei letztlich bei den Schülern ankommt“, sagte die BLLV-Präsidentin. Sie appellierte an das Kultusministerium, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, warum Fehler automatisch schlechte Noten nach sich ziehen müssen. Sie ermunterte auch dazu, die gängige Prüfungskultur und die damit verbundenen Methoden der Leistungserhebung kritisch zu hinterfragen. Denn: „Fehler sind wertvolle Lernbegleiter und sie gehören zum effektiven Lernprozess.“

„Wenn Beziehungen zentraler Teil des Lernens und der Schule sind, müssen Schul- und Bildungspolitiker alles daran setzen, diese Beziehungen zu stärken und nicht mit fragwürdigen Lern- und Leistungsmethoden zu konterkarieren“, sagte Fleischmann. „Kinder und Jugendliche brauchen Begleitung durch Beziehung. Sie brauchen Interesse, Hilfe, Ermutigung und natürlich auch eine Spiegelung dessen, was professionelle Pädagogen  an Kompetenzen hinter den Fehlern erkennen. „Eine neue Lernkultur braucht eine veränderte Leistungskultur.“ Im derzeitigen Schulsystem würden Lehrerinnen und Lehrer aber schnell an Grenzen stoßen.

Die Art und Weise des Umgangs mit Fehlern passe auch nicht zu den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung: „Die  Aussagen der Wissenschaftler sind eindeutig“, so Fleischmann. Danach seien Emotionalität und Beziehung für den Lernerfolg von herausragender Bedeutung. Informationen könnten nur dann nachhaltig verankert werden, wenn zugleich auch emotionale Zentren im Gehirn aktiviert und vertrauensvolle Bindungen zu den Bezugspersonen aufgebaut werden könnten. Die neurobiologische Forschung lässt keinen Zweifel: Im Mittelpunkt effizienter Lernprozesse stehen Motivation, Beziehung und Anerkennung.

„Schulisches Lernen muss deshalb dringend neu gedacht werden“, bekräftigte die BLLV-Präsidentin. In den Mittelpunkt des Lernens müssten Motivation und individuelle Förderung gestellt werden – beides müsse zum Unterrichtsprinzip erhoben werden. „Zeitgemäßes Lernen ist Kompetenzerwerb, darüber hinaus ein konstruktiver, individueller wie kommunikativer Prozess.“

Pressemeldung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) vom 29.6.2015.

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