Selbstbestimmtes Leben als Ziel von Bildung – Was müssen unsere Kinder heute lernen?

Oranienburg (pm)In jeder Gesellschaft wird  diese grundlegende Frage gestellt. Aus der Sicht der Eltern treten hierzulande folgende Fragestellungen auf: Brauchen wir mehr Allgemeinbildung oder lernen unsere Kinder eher für den Beruf? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten müssen wir bei unseren Kindern besonders fördern? Unterstützen wir die berufliche Bildung oder ist die akademische Bildung das angestrebte Bildungsziel? Wie bewerkstelligen wir die Inklusion, dies beinhaltet die Integration der Flüchtlingskinder und welche Kompetenzen werden eigentlich von unseren Kindern verlangt? In diesem Spannungsfeld bewegten sich die Debatten im Bundeselternrat auf seinem Kongress mit den Fachausschüssen Förderschulen und Realschulen.  Eine Grundlage war die Aussage von Prof. Dr. Sabine Andresen aus der 3. World Vision Kinderstudie: „Zu keiner Zeit hat es dermaßen an den Bedürfnissen der Kinder orientierte Eltern gegeben… aber auch noch nie einen solchen Leistungsdruck.“ Bei den Kindern wird in allen aktuellen Studien ein „Leben in Selbstbestimmung“ als oberstes Ziel benannt.

Aber wie können Schule und Elternhaus diese Bestrebungen unterstützen, ohne dass sich eine ganze Generation in die ständige Überforderung begibt? Gerade unter der wachsenden Unüberschaubarkeit der eigenen Möglichkeiten und dem Verlust zweifelsfreier Normen und Werte sind die Herausforderungen an unsere Kinder enorm gestiegen. Schule und Elternhaus müssen demzufolge die Kinder und Jugendlichen auf der Grundlage einer realistischen Selbsteinschätzung zu einem eigenverantwortlichen Handeln befähigen.

Aber welche Kompetenzen werden hierzu gebraucht? Dr. Andreas Jantowski vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) hat hierzu auf dem Fachkongress folgendes erklärt: „Wir brauchen ein Bildungsminimum“. Er definiert dieses Bildungsminimum als „Teilmenge der Kulturtechniken von besonderer Bedeutung“. Kulturtechniken sind demnach Kompetenzen, über die ein Schüler im Wesentlichen als „Routinen“ verfügen muss, damit ihm eine aktive Teilhabe an seiner Kultur überhaupt möglich ist. Darüber hinaus müssen unsere Kinder lernen mit den zunehmenden Unsicherheiten unserer Zeit konstruktiv umzugehen. Neben der reinen Faktenvermittlung sollte dabei das selbstständige Denken im Fokus der Schule stehen, um mit Kreativität die Probleme unserer Zeit anzugehen. Prof. Dr. Martin Lücke hat diesen vermeintlichen Widerspruch zwischen Fachwissen und seiner Anwendung sehr anschaulich am Fach Geschichte aufgezeigt. Weniger das Auswendiglernen chronologischer Abläufe sollte hier im Fokus stehen, sondern vielmehr das Lernen in einem übergeordneten Themenbereich, mit Gegenwarts- und Lebensweltbezug. Im Rahmen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung sei der Fachunterricht sogar grundsätzlich in Frage zu stellen. Heike Nitzsche, Beraterin für Demokratiepädagogik in Sachsen, schloss den Fachkongress mit den Worten von Prof. Dr. Wolfgang Edelstein zum Thema Demokratie lernen in der Schule ab: „Demokratie lernen ist demnach keine Nebenaufgabe, die gleichsam außerhalb des Ernstfalls, als „sozialer Klimbim“ auf einem Nebenschauplatz der Kuschelpädagogik für den schönen Schein anfällt. Demokratie in der Schule ist der Ernstfall, und sie muss ins Zentrum der Aufgabe gestellt werden, die Schule überhaupt zu erfüllen hat. Schüler sollen für das Leben lernen, und es ist die Aufgabe der Schule, sie dabei zu unterstützen.“ (Edelstein, W. & de Haan, G. (2004). Empfehlung 5: Lernkonzepte für eine zukunftsfähige Schule – von Schlüsselkompetenzen zum Curriculum. I)

Pressemeldung des Bundeselternrates vom 27.4.2016.

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