Serie: Lern-Wissen der Woche – Inklusion

Mit Inklusion meint man den Einbezug von Personen in die ausdifferenzierten Sozialsysteme. Im Kontext der Schule bezeichnet Inklusion den Einbezug von Schülern mit allen denkbaren unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in die Lerngruppen der allgemeinbildenden Schulen. In der Regel denkt man dabei an den Einbezug von Schülern, die nach geltenden Regeln in Sonder- bzw. Förderschulen beschult würden.

Hausaufgaben. (c) S. Hofschlaeger_pixelio.de

Kinder, denen das Lernen schwerer fällt, werden im Sinne der Inklusion gefördert und nicht ausgeschlossen. (c) S. Hofschlaeger_pixelio.de

Es ist ein Grundprinzip der Inklusion, die Heterogenität in sozialen Gruppen zu erkennen und anzunehmen. Schüler in der Schule unterscheiden sich nicht nur nach Alter und Intelligenz, sondern auch nach Entwicklungsstand, Genen und Umwelteinflüssen, sozialer Herkunft, Familiensituation, Gesundheit und vielen anderen Faktoren, die das Lernen beeinflussen können.

Die Inklusionspädagogik unterscheidet sich leicht von der Integrationspädagogik.

Integration sieht die Besonderheit einer bestimmten sozialen Gruppe, etwa Schüler mit Behinderungen, und versucht diese in die Regelschulen zu integrieren. Bei der Inklusion gibt es nur individuelle Besonderheiten aller Schüler und auch der Lehrer.

Inklusion geht Hand in Hand mit innerer Differenzierung, welche versucht, in heterogenen Lerngruppen allen Schülern gerecht zu werden.

Alle Lerner haben nach den Befürwortern der Inklusion gemeinsame Bedürfnisse, etwa das nach Bildung, sozialer Teilhabe und persönlicher Entwicklung. Darüber hinaus hat jeder Lerner individuelle Bedürfnisse, für die unter Umständen verschiedene Lerntechniken, Materialien und Methoden zur Verfügung gestellt werden müssen. Dies soll in Schulen für alle Schüler möglich gemacht werden, ohne dass Schüler aussortiert werden, die irgendwelchen Anforderungen nicht genügen. Hierfür ist in der Regel mehr als eine Lehrkraft pro Klasse erforderlich sowie eine Unterrichtsvorbereitung, die die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Schüler berücksichtigt.

Die Inklusion steht im Widerspruch zum derzeit vorherrschenden Prinzip der äußeren Differenzierung, welches versucht, Lerngruppen durch Auswahl nach Alter und Leistung möglich homogen zu gestalten (Jahrgangsklassen, leistungsabhängige Schulformen). Dieses Ziel bewerten Anhänger der Inklusion als unrealistisch, ungerecht, weil Chancenungleichheit schaffend, und pädagogisch ineffizient (Pädagogik).

Studien haben gezeigt, dass Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen in Inklusions-Klassen deutlich bessere Leistungen erbringen und häufiger einen Schulabschluss erwerben als Schüler an Förderschulen. Dies liegt vermutlich am gemeinsamen Lernen mit den Mitschülern (Kooperation), aber auch am verbesserten Selbstwertgefühl, welches durch die Inklusion in die Gruppe und damit in die Mitte der Gesellschaft gestärkt wird. Durch die besseren Leistungen steigen die beruflichen Erfolgsmöglichkeiten der Förderschüler und ihre Chance auf Selbstständigkeit. Bessere Bildung wird in Studien außerdem immer wieder als Faktor erkannt, der die Aggressionsbereitschaft mindert und Gewalttaten verhindert (Konflikte und Gewalt). Auch die nicht förderbedürftigen Schüler profitieren durch die Inklusion, indem sie einen starken Zuwachs sozialer Kompetenzen erleben.

Kurz gesagt: Mit Inklusion meint man eine gemeinsame Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen Lernvoraussetzungen wie Intelligenz, sozialer Herkunft, Entwicklung u. ä. Sie schafft Vorteile für alle Lerner. Das aktuell in Deutschland vorherrschende gegliederte Schulsystem bietet keine Inklusion.

Quelle: Anne Scheller. Kleines Lexikon für Unterricht & Lernen. Karlsruhe: Schulwerkstatt-Verlag, 2012.

WordPress theme: Kippis 1.15