Serie: Lern-Wissen der Woche – Konflikte und Gewalt

Einen Konflikt kann man definieren als Aufeinandertreffen widersprüchlicher Handlungen, Bedürfnisse, Wünsche, Interessen, Erwartungen, Ziele oder Gefühle. Es ist daher ganz normal, dass immer wieder Konflikte zwischen Menschen entstehen. Besonders geschieht dies da, wo Menschen häufiger aufeinander treffen, etwa in der Schule. Können Konflikte frühzeitig in einem Geist von Wertschätzung und Respekt bearbeitet werden, lösen sie sich am ehesten auf. Sonst können sie im schlimmsten Fall zu Gewalt führen.

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Nicht immer geht es in der Schule so friedlich zu … (c) pixabay

Wichtigstes Mittel zur gewaltfreien Lösung von Konflikten ist eine sinnvolle Kommunikation. Dafür können im Unterricht Techniken vorgestellt und eingeübt werden, zum Beispiel das Aussenden von Ich-Botschaften und das aktive Zuhören.

Eine Möglichkeit, mit Konflikten umzugehen, sind die Streitschlichter. Diese speziell ausgebildeten Schüler vermitteln in vielen Schulen zwischen Streitparteien. Die Mediation erfolgt grundsätzlich auf freiwilliger Basis. Die Vermittler bleiben neutral und behandeln alle Informationen vertraulich. Bei der Schlichtung wird ein Konsens ausgehandelt, der beiden Parteien gefällt, kein Kompromiss, bei dem beide Zugeständnisse machen müssen. Strafen sind ausgeschlossen.

Besonders wirksam ist die Streitschlichtung, weil die Mediation in die Tiefe geht. Gefühle, Bedürfnisse und Motive, die während des Streits nichts offen angesprochen werden, treten hier zutage. Da beide Parteien selbst an der Lösung des Konflikts mitarbeiten, wird diese besser akzeptiert und ist länger tragfähig. Kommen die Mediatoren aus der Schülerschaft, ist eine vertrauliche Situation gegeben, die Vermittler sprechen die gleiche Sprache wie die Streitenden. Die Streitschlichter selbst lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Es gibt verschiedene Wege, die Konfliktbearbeitung im Unterricht zu thematisieren. Neben den angesprochenen Methoden eignen sich auch kreative Zugänge, um Konflikterlebnisse zu bearbeiten. In Rollenspielen können Konflikte nachgestellt werden. Dabei können die Schüler verschiedene Rollen übernehmen, mal die des aggressiven „Kampfhahns“, mal die der „beleidigten Leberwurst“ u.ä.

Das kreative Schreiben eignet sich ebenfalls zur Konfliktbearbeitung. Schüler können zum Beispiel Texte nach Satzanfängen („Mein Streit begann mit …“) oder Schlüsselwörtern (Konflikt, Freundin, Schulhof o.ä.) verfassen. Auch Gedichte oder Dialoge zum Thema Streit und Einigung können verfasst werden. Bei beiden kreativen Techniken kann besonders darauf geachtet werden, an welchem Punkt eines Konfliktes es zur gewalttätigen Eskalation kommt.

Zum Umgang mit Gewalt gibt es Kurse, die zum Beispiel zeigen, welche Körpersprache und Kommunikationstricks helfen, Gewalttätern zu begegnen (Beratung). Dazu gehört unter anderem, Täter genau wie passive Zuschauer gezielt anzusprechen und zum Aufhören bzw. Aktivwerden gegen die Tat aufzufordern.

Für Lehrer gilt zunächst einmal, dass bei jeder Gewalttat sofort klare Grenzen gesetzt werden müssen. Täter dürfen nicht mit einem „Das war doch nur Spaß!“ davonkommen, denn dann lernen sie, dass sie Gewalt und Mobbing weiterhin anwenden können.

In vielen Schulen kursieren Videos von Gewalttaten auf den Handys. Dabei handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine Straftat, die von der Polizei verfolgt wird.

Kurz gesagt: Konflikte sind ein normaler Bestandteil menschlichen Miteinanders. Eine sinnvolle Kommunikation und eine kompetente Streitschlichtung helfen, Konflikte zu vermeiden bzw. zu lösen. Beides können bereits Schüler lernen. Kommt es zu Gewalt, muss klar durchgegriffen werden.

Quelle: Anne Scheller. Kleines Lexikon für Unterricht & Lernen. Karlsruhe: Schulwerkstatt-Verlag, 2012.

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