Serie: Lern-Wissen der Woche – Reformpädagogik

Unter dem Sammelbegriff Reformpädagogik fassen Pädagogen verschiedene Lehr- und Erziehungskonzepte zusammen, die seit dem späten 19. Jahrhundert aufkamen. Gemeinsam ist den reformpädagogischen Richtungen, dass sie sich auf die Bedürfnisse des Kindes und seine Entwicklung hin zur Selbstständigkeit konzentrieren. Auch die Natur spielt in der Reformpädagogik oft eine wichtige Rolle.

2017-03-11_to-write-774648_640Die Reformpädagogik fand nie konsequenten Eingang in das staatliche Schulsystem und ihre Blütezeit als pädagogische Richtung endete Mitte des 20. Jahrhunderts. Einige Ideen und Richtungen bleiben jedoch bis heute teilweise einflussreich und werden in zahlreichen Kindergärten und Schulen in Deutschland praktiziert.

Eine wichtige Vertreterin der Reformpädagogik war die italienische Ärztin Maria Montessori (1870–1925). Sie begründete die nach ihr benannte Montessori-Pädagogik, die bis heute Einfluss hat. Ihre kindzentrierte Pädagogik hat den Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“. Erzieher und Lehrer bereiten die Lernerfahrung lediglich vor, indem sie Materialien zur Verfügung stellen, etwa verschieden große Gegenstände, die von Kindern im Kindergartenalter in unterschiedliche Behälter sortiert werden. Die Kinder wählen die zu erlebenden Themen selbst aus, lernen in Freiarbeit (Offener Unterricht) und selbstständig, werden aber gegebenenfalls von der Lehrkraft begleitet. (siehe auch Montessori-Schule)

Eine andere reformpädagogische Richtung ist die Waldorfpädagogik nach Rudolf Steiner. Sie ist ebenfalls kindzentriert und erzieht zu selbstständiger Zeit- und Themenorganisation. Künstlerisch-handwerkliche Entfaltung wird dabei – genau wie soziales Lernen – besonders stark gefördert. (siehe auch Waldorf-Schule)

Der Erziehungswissenschaftler Peter Petersen entwickelte 1927 das Jena-Plan genannte Konzept einer allgemeinen Volksschule, in der in jahrgangsübergreifenden Gruppen gelernt wird. Arbeitsform ist häufig die Gruppenarbeit, die Zeitstruktur des Unterrichts folgte Wochenplänen (offener Unterricht) statt Einzelstunden.

Quelle: Anne Scheller. Kleines Lexikon für Unterricht & Lernen. Karlsruhe: Schulwerkstatt-Verlag, 2012.

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