Serie: Lern-Wissen der Woche – Soziales Lernen

Unter dem Begriff soziales Lernen werden je nach Fachrichtung verschiedene Lernformen bzw. unterschiedliche Lerninhalte verstanden.

2017-03-18_team-386673_640 (450x338)In der Erziehungswissenschaft und der Sozialpädagogik wird er traditionell mit dem Erlernen sozialer Kompetenzen assoziiert, meint also ein lebenslanges Lernen bestimmter Inhalte, unabhängig von der Art des Lernprozesses.

In der Psychologie versteht man darunter die Art des Lernens, nämlich das durch andere Individuen vermittelte Lernen, unabhängig davon, was gelernt wird. In diesem Sinne wird soziales Lernen synonym mit Modelllernen verwendet. Gemäß der sozial-kognitiven Lerntheorie kann Verhalten gelernt werden, indem andere beobachtet werden. Kleinere Kinder etwa hantieren gerne mit Töpfen und Löffeln, wenn sie die Eltern in der Küche kochen sehen.

Beim Modelllernen kann es sich um das Erlernen völlig neuer Verhaltensweisen handeln; das nennt man auch Imitation. Dies geschieht etwa, wenn ein Kind das A abmalt, welches die Lehrerin an die Tafel geschrieben hat, und von nun an den Buchstaben A schreiben kann.

Ebenso kann soziales Lernen durch eine Hemmung bereits erlernter Reaktionsmöglichkeiten erfolgen. Das geschieht beispielsweise, wenn ein Schüler für eine Störung des Unterrichts gerügt wird (Kritik, Strafen) und ein anderer Schüler daraus lernt, den Lehrer lieber nicht mehr zu unterbrechen. Auch eine Enthemmung ist möglich, wenn zum Beispiel ein Schüler an der Tafel zwei bereits bekannte Rechenarten miteinander verknüpft und ein anderer dies von ihm lernt. Hemmung oder Enthemmung erfolgen abhängig davon, ob das beobachtete Modell mit seinem Handeln Erfolg hat (also verstärkt wird), keinen Erfolg hat oder sogar dafür bestraft wird.

Schließlich wird durch Modelllernen auch gelernt, wann ein bestimmtes Verhalten einzusetzen ist und wann nicht. Ein alltägliches Beispiel ist das Entdecken einer Spinne durch ein kleines Kind. Es findet sie zunächst interessant, aber harmlos. Dann beobachtet es, dass die Mutter verängstigt wirkt. Nun wird auch das Kind in Zukunft eher mit Angst auf Spinnen reagieren.

Ob ein anderes Individuum zum Modell wird, hängt von der Bedeutung des Modells für den Lerner ab, zum Beispiel lernen Jugendliche eher vom bewunderten Anführer der Clique als von einem Unbekannten.

Auch die motivationale und gefühlsmäßige Lage des Lerners beeinflusst die Bereitschaft zum sozialen Lernen. Beim Modelllernen ist außerdem relevant, wie ähnlich das potentielle Modell dem Lerner ist: Von einem Mitschüler, der sich das neue Verhalten im Unterricht erarbeitet, lernen Schüler eine Problemlösung eher als von einem Lehrer, der ihnen weit voraus ist (Lehrer-Schüler-Verhältnis).

Kurz gesagt: Soziales Lernen bezeichnet je nach Fachrichtung Lernen sozialer Kompetenzen oder Lernen von sozialen Vorbildern, den Modellen.

Das Modelllernen ist unter anderem von den Erfolgen, die das Modell mit seinem Verhalten hat, von der Beziehung zwischen Modell und Lerner, von Motivation und Gefühlen des Lerners abhängig.

Quelle: Anne Scheller. Kleines Lexikon für Unterricht & Lernen. Karlsruhe: Schulwerkstatt-Verlag, 2012.

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