Serie: Lern-Wissen der Woche – Teilleistungsstörungen

Unter Teilleistungsstörungen, auch Teilleistungsschwächen genannt, fasst die Pädagogik verschiedene Arten von Lernstörungen zusammen. Sie treten in begrenzten Teilbereichen wie Lesen, Schreiben oder Rechnen auf. Mit ihnen geht keine Intelligenzminderung einher, sie resultieren auch nicht in einem Mangel an Förderung.

child-538207_640 (400x316)Die bekannteste Teilleistungsstörung ist ADS oder ADHS, das Aufmerksamkeits(hyperaktivitäts)defizitsyndrom. Psychologen klassifizieren ADS/ADHS als hyperkinetische Störung. Diese beginnt meist schon in den ersten fünf Lebensjahren. Betroffene zeigen eine deutliche Unaufmerksamkeit und haben wenig Ausdauer bei Beschäftigungen, die einen kognitiven Einsatz verlangen. Kinder wechseln beispielsweise häufig von einer Tätigkeit zur anderen, ohne etwas Angefangenes zu Ende zu bringen. Dazu kommt eine starke, kaum regulierte Aktivität.

Betroffene Kinder reden und lärmen viel, laufen herum oder zappeln im Sitzen. Beide Symptome – Mangel an Aufmerksamkeit und Aktivität – sind im Vergleich zu Kindern im gleichen Alter und derselben Intelligenz extrem stark ausgeprägt.

Wie viele Kinder und Erwachsene von ADS/ADHS betroffen sind, ist in der Forschung umstritten. Als Richtwert kann man annehmen, dass in jedem deutschen Klassenzimmer ein Kind betroffen ist. Die Ursachen liegen sowohl in den Genen, in Umwelteinflüssen während Schwangerschaft und Geburt (Infektionen, Alkohol- und Zigarettenkonsum) als auch in ungünstigen psychosozialen Bedingungen.

Eine Behandlung sollte immer auf verschiedenen Wegen erfolgen: Psychotherapie, Medikamente, Aufklärung und Beratung innerhalb der Familie und Interventionen in der Schule in Form von spezieller Förderung oder einem Schulwechsel.

Lese- und Rechtschreibstörungen (LRS oder Legasthenie), Rechenstörungen (Dyskalkulie) sowie kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten werden von Psychotherapeuten als Formen von Entwicklungsstörungen angesehen. Hierbei ist der normale Erwerb von Fähigkeiten gestört. Dies beginnt bereits in der frühen Kindheit und wird häufig im Erwachsenenalter etwas besser. Ursache ist vermutlich eine Störung in der kognitiven Informationsverarbeitung, die oft genetisch bedingt ist. In der Diagnose ist es äußerst schwierig, zwischen normalen Unterschieden im Erwerb schulischer Fertigkeiten und einer behandlungsbedürftigen Störung zu unterscheiden. Des Weiteren muss berücksichtigt werden, dass schlechte schulische Fertigkeiten auch von der Qualität der Lehrer, dem familiären Umfeld und den Lernerfahrungen abhängen.

Die Lese-Rechtschreibstörung LRS zeigt sich typischerweise in Defiziten im Rechtschreiben (Auslassen, Verdrehen, Hinzufügen von Buchstaben, Wortteilen und Wörtern) und im Lesen (langsames Lesen, Schwierigkeiten, Gelesenes wiederzugeben und zu verstehen).

Eine Rechenstörung liegt vor, wenn ein Kind deutliche Mängel in den Rechenfertigkeiten zeigt, die weder auf Intelligenzminderung noch auf Probleme bei der Beschulung zurückzuführen sind. Auch Defizite im Hören und Sehen müssen ausgeschlossen werden. Betroffene Kinder sind zum Beispiel unfähig, Zahlen in die richtige Reihenfolge zu bringen oder das Einmaleins zu lernen, oder haben Schwierigkeiten mit den mathematischen Symbolen und Zeichen.

Allen besprochenen Störungen ist gemein, dass oft begleitende Verhaltensstörungen auftreten, die aufgrund des Stresses, mit der primären Störung umzugehen, entstehen. Häufig sind zum Beispiel Störungen des Sozialverhaltens oder emotionale Probleme (Gefühle). Eine Diagnose und Behandlung muss in allen Fällen psychologisch geschulten Fachleuten überlassen werden.

Kurz gesagt: Unter die Teilleistungsstörungen fallen psychische Störungen wie AD(H)S, LRS und Dyskalkulie, die weder auf Intelligenzminderung noch auf Defizite in der Beschulung zurückzuführen sind. Sie treten typischerweise schon in den ersten Lebensjahren auf. Diagnose und Behandlung erfolgt durch geschulte Psychologen und Psychotherapeuten.

Quelle: Anne Scheller. Kleines Lexikon für Unterricht & Lernen. Karlsruhe: Schulwerkstatt-Verlag, 2012. 

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