Serie: Lern-Wissen der Woche – Unterrichtsvorbereitung

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(c) pixabay

Eine gute Planung im Vorfeld ist ein bedeutsamer Bestandteil einer guten Unterrichtsstunde. Bei der Planung legt der Lehrer unter anderem Thema, Lernziele, Methoden und Medien fest, die in der Stunde gelernt bzw. verwendet werden sollen.

Für die Planung des Unterrichts sind verschiedene didaktische Modelle erarbeitet worden, etwa das sogenannte Berliner Modell von Paul Heimann, Gunter Otto und Wolfgang Schulz, das daraus weiterentwickelte Hamburger Modell von Schulz und die didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki.

Den Modellen ist gemein, dass sie auf einer Analyse der Unterrichtsbedingungen (räumliche Bedingungen, Lerngruppe), der Sache (Thema, Inhalte, Probleme), der Didaktik (Einordnung in den Bildungsplan, Unterrichtsprinzipien) und der Methodik (zu verwendende Methoden, Unterrichtsformen, Sozialformen) basieren.

Anschließend wird eine Art Drehbuch der Stunde erstellt: die Verlaufsplanung. Die Planung kann, muss aber nicht der üblichen 45-Minuten-Struktur folgen (Zeitstruktur des Unterrichts). Der Verlauf der Unterrichtseinheit reicht in der Regel vom Einstieg bis zum Stundenschluss.

Dazwischen sind Klärung von Thema und Vorwissen, Informationsphase, Arbeitsauftrag und selbstständige Arbeit sowie Präsentation und Reflexion der Ergebnisse sinnvolle Stationen (Selbstständigkeit).

Den Anfang macht der Einstieg. Hierbei wird Kontakt zwischen Lehrern und Lernern hergestellt, zunächst einmal durch eine simple Begrüßung. Der Lehrer sollte ein emotionales Band zu den Schülern knüpfen, denn angenehme Gefühle aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn (Lob und Belohnung). Das erzeugt Motivation zu lernen. Anschließend wird das Programm geklärt. Es wird klar, was das Thema der Stunde ist und warum. Eine Wiederholung von relevantem älterem Stoff bzw. eine Sammlung von Vorwissen schafft wichtige Grundlagen für die Arbeit am neuen Thema. Abschließend kommt die neue Information: Lehrer oder Schüler können sie präsentieren oder Medien (Text, Schaubild, Film, Hörspiel) sie darbieten, auch Mischformen sind möglich (Frontalunterricht, Kooperation).

Nun wird der Arbeitsauftrag gestellt und die Schüler beginnen mit selbstständiger Arbeit allein, mit Partner oder in Gruppen (Sozialform). Hierbei sollte eine Möglichkeit zur Selbstkontrolle gegeben sein. Danach werden die Ergebnisse präsentiert und gemeinsam reflektiert. Ein schöner Stundenschluss rundet das Ganze ab. Genau wie ein angenehmer Beginn sorgt er für eine Verknüpfung von Lernen mit positiven Gefühlen. Das steigert die Motivation für die nächste Stunde.

Ein erfahrener Lehrer wird sicher nicht für jede Stunde eine derart aufwändige Analyse betreiben und die Planung ausführlich schriftlich niederlegen (Erfahrung). Doch auch er kann sich an den genannten Prinzipien orientieren. Des Weiteren sollte er einige andere Punkte bei der Planung berücksichtigen: Die Lehrkraft sollte flexibel bleiben, um im Unterricht auf aktuelle Bedürfnisse und Interessen der Schüler reagieren zu können. Sie sollte daher lieber zu viel als zu wenig Zeit einplanen. Besonders ein differenzierter Unterricht erfordert höheren Aufwand in der Planung und unter Umständen mehr Zeit in der Durchführung (Differenzierung).

Außerdem sollte die Lehrkraft Zeit für das wichtige Wiederholen von älterem Stoff einplanen. Sinnvoll sind mehrere Wiederholungen in der Stunde selbst, eine weitere am nächsten Tag, in der nächsten Woche und nach etwa einem Monat.

Bei der Unterrichtsplanung berücksichtigen sollte die Lehrkraft auch die Aufnahmefähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses. Nach etwa drei bis fünf Minuten braucht es Zeit, um das bisher Aufgenommene weiterzuverarbeiten. Eine Zusammenfassung oder Wiederholung, eine Nachfrage, ein Scherz oder eine kurze Pause können hierzu nützlich sein.

Es ist möglich, Teile des Stundenablaufs zu ritualisieren. Wenn wiederkehrende Elemente immer gleich ablaufen, sind sie leicht erkennbar, die Schüler wissen, was sie erwartet. Das gibt Sicherheit. Es kann am Stundenanfang beispielsweise immer zuerst die Begrüßung erfolgen, dann organisatorische Aufgaben, anschließend die Vorstellung des Themas. Besonders in der Grundschule können Piktogramme einzelne Stundenphasen verdeutlichen, was den Schülern Orientierung im Lernprozess verschafft.

Kurz gesagt: Die Unterrichtsvorbereitung durch die Lehrkraft kann sich an verschiedenen Phasen des Unterrichts orientieren. Diese reichen vom Einstieg über Klärung von Thema und Vorwissen, Informationsphase, Arbeitsauftrag und selbstständige Arbeit sowie Präsentation und Reflexion der Ergebnisse bis zum Stundenschluss.

Quelle: Anne Scheller. Kleines Lexikon für Unterricht & Lernen. Karlsruhe: Schulwerkstatt-Verlag, 2012. 

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