So klappt der Schulübergang / Schulübertritt: 10 praktische Tipps für Eltern

(c) Dieter Schütz_pixelio.de

Egal auf welche weiterführende Schule Ihr Kind nach den Ferien geht: So viel Neues auf einmal kann Angst machen. (c) Dieter Schütz_pixelio.de

Die Sommerferien gehen zu Ende und für viele Kinder beginnt damit eine aufregende Zeit: Der Beginn in der weiterführenden Schule. Egal, ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, ob Mittelstufenschule, Oberschule, Stadtteilschule, Gesamtschule – einige Dinge sind immer gleich. Für Ihr Kind ist alles neu, angefangen vom neuen Schulweg, über neue Gebäude und neue Mitschüler bis hin zu neuen Unterrichtsformen, neuem Lernstoff und neuen Anforderungen. Mit so viel Unbekanntem umzugehen, ist eine große Herausforderung für Kinder von zehn oder zwölf Jahren.

Deshalb hat Elternratgeber.info hier 10 praktische Tipps für Eltern zusammengestellt, die zeigen, wie Sie Ihr Kind in der schwierigen Zeit des Schulübergangs unterstützen können.

 

1. neuer Schulweg

(c) Paul-Georg Meister_pixelio.de

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Beginnen Sie rechtzeitig damit, den neuen Schulweg mit Ihrem Kind zu trainieren. Lag die Grundschule noch im selben Viertel, ist der Weg zur neuen Schule meistens weiter, oft müssen Kinder jetzt den Bus benutzen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind genau, welche Linien es von wo benutzen kann, an welcher Haltestelle es aussteigen muss usw. Üben Sie den Weg mindestens zweimal: Einmal sagen Sie Ihrem Kind, woraus es achten muss, beim zweiten Mal tauschen Sie die Rollen.

 

2. erster Schultag

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Gestalten Sie den ersten Tag an der neuen Schule als Ereignis, machen Sie ein Fest mit der ganzen Familie daraus oder unternehmen Sie etwas Besonderes. So bleibt der Tag Ihrem Kind als ein Höhepunkt in schöner Erinnerung.
Viele Schulen helfen dabei mit einer Aufnahmefeier, bei der auch die Eltern willkommen sind. Wenn irgend möglich nehmen Sie sich an diesem Tag Urlaub und zeigen Sie Ihrem Kind, wie wichtig es Ihnen ist!

 

3. altersgerechte Schulmaterialien

(c) Gisela Peter_pixelio.de

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Die neue Schule ist ein bedeutsamer Schritt in Richtung Erwachsenwerden. Das sollte auch in den Schulmaterialien zum Ausdruck kommen, „Kinderkram“ hat ausgedient. Gönnen Sie Ihrem Kind, wenn möglich, eine neue Dose für das Pausenbrot, ein neues Mäppchen, ein neues Portmonee mit einem speziellen Fach für die neue Busfahrkarte.
Auch der Schreibtisch sollte zu dieser besonderen Gelegenheit neu hergerichtet werden: Gemeinsam aufräumen und Spielzeug und Bastelarbeiten einen anderen Platz zuweisen, ein neuer Becher für die neuen Stifte vielleicht – all das macht Ihrem Kind deutlich, dass es in Zukunft auch anders, „erwachsener“ lernen muss.

 

4. Schule erkunden

(c) Jens Weber_pixelio.de

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Im Gegensatz zur überschaubaren Grundschule kann die neue Schule mit den vielen Räumen und Gängen für Ihr Kind wie ein Labyrinth wirken. Wenn Sie es noch nicht bei einem Tag der offenen Tür getan haben, versuchen Sie am ersten Schultag gemeinsam die neue Schule zu erkunden. Kennt Ihr Kind den Weg zu den Toiletten und zum Musiksaal, wird es sich in der neuen Umgebung gleich sicherer fühlen.

 

5. Hobbys

(c) Dieter Schütz_pixelio.de

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Auch wenn es in der weiterführenden Schule „ernster“ wird, fördern Sie auch jetzt Hobbys und Interessen Ihres Kindes außerhalb der Schule. Alle Fähigkeiten und auch die Begeisterung für eine Sache fördern das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Die Ablenkung und Entspannung bei Hobbys sind ein guter Ausgleich zur Schule. Und vielleicht braucht Ihr Kind eines Tages die Erfolgserlebnisse hier, um schulische Misserfolge besser zu verarbeiten.

 

6. Schulalltag organisieren

(c) Claudia Hautumm_pixelio.de

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In der Grundschule sorgte meist noch der Lehrer für die Organisation, Hausaufgaben mussten immer am selben Tag gemacht werden und der Lehrer sagte genau, was am nächsten Tag mitzubringen ist. Für Klassenarbeiten wurde gemeinsam geübt. Das ist vorbei, jetzt muss Ihr Kind lernen, selber zu überlegen, wann es die Hausaufgaben für das Fach macht, das es erst übermorgen wieder hat. Es muss selber an die Bücher und Hefte für den nächsten Tag denken. Das geht nicht von heute auf morgen. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Strategien: ein gut geführtes Hausaufgabenheft ist hilfreich. Vielleicht fühlt Ihr Kind sich sicherer, wenn Sie abends gemeinsam den für den nächsten Tag gepackten Ranzen durchgehen?

 

7. Beteiligung am Unterricht

(c) S. Hofschlaeger_pixelio.de

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In der weiterführenden Schule hat die mündliche Mitarbeit einen noch größeren Anteil an der Note als in der Grundschule. Deshalb ist es wichtig, besonders zurückhaltende Kinder immer wieder zu ermutigen und anzuspornen. Stärken Sie ihr Selbstbewusstsein, wo immer es geht. Versuchen Sie es mit einem kleinen, gemeinsam ausgetüftelten Plan: In dieser Woche meldet sich Ihr Kind mindestens dreimal pro Schultag, in der nächsten Woche einmal in jeder Schulstunde o.ä. Wenn ein Tag nach Plan geklappt hat, ist eine kleine Belohnung fällig.

 

8. neue Kontakte

(c) Günter Havlena_pixelio.de

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An der neuen Schule ist alles fremd, die Umgebung, die Lehrer, die Mitschüler. Glücklich das Kind, das gemeinsam mit einem Freund in dieselbe Klasse kommt. Die Angst, keine Freunde zu finden, ist bei manchen Kindern groß. Glücklicherweise finden Kinder meistens schnell Anschluss, auch wenn die erste Freundschaft in der neuen Klasse vielleicht nicht von langer Dauer ist.
Aufmerksam sollten Sie werden, wenn Ihr Kind nicht von neuen Freunden berichtet, wenn alle anderen Kinder doof sind – vielleicht ein Anzeichen, dass Ihr Kind auf dem Weg zum Außenseiter ist.

 

9. Medienkompetenz

(c) Dieter Schütz_pixelio.de

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Auch die Anforderungen an die Medienkompetenz nehmen in der weiterführenden Schule zu, auch in diesem Bereich sollte Ihr Kind selbständig arbeiten können. Das Nachschlagen in Wörterbüchern sollte trotz Google und leo klappen, das Recherchieren im Internet sollte spätestens jetzt geübt werden. Vielleicht muss eine Wissenslücke gefüllt werden, die ersten Referate kommen bestimmt: Dann ist es gut, wenn Ihr Kind bereits weiß, welche Seiten hilfreich sind und welchen es vertrauen kann – und wie es Ablenkungen vermeidet!
Ein eigener Computer muss es noch nicht sein, wichtiger ist, den verantwortungsvollen Umgang jetzt zu üben.

 

10. Ängste

(c) Anne Garti_pixelio.de

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Fragen Sie Ihr Kind gelegentlich nach seinen Ängsten und Sorgen, nicht nur in Verbindung mit der neuen Schule. Hat Ihr Kind Angst, die Busfahrkarte zu vergessen? Keine Freunde zu finden? Die Hausaufgaben nicht richtig zu machen? Versuchen Sie, wo immer möglich, mit ihrem Kind eine Art Notfall-Plan auszutüfteln: Spielen Sie die Angst-Situation durch und helfen Sie Ihrem Kind herauszufinden, was es in der Situation tun sollte.
Das hat gleich zwei positive Effekte: Die konkrete Angst wird kleiner. Und das Selbstvertrauen wächst, wenn Ihr Kind feststellt, dass es selber auf die Lösung gekommen ist.

 

Cover zu "Elternratgeber Schulübergang"Diese und viele weitere Tipps finden Sie ausführlicher in dem Buch Elternratgeber Schulübergang von Dr. Birgit Ebbert (Schulwerkstatt-Verlag 2013).
Viele nützliche Hinweise gibt die Autorin auch in diesem Interview, das bereits auf Elternratgeber.info erschienen ist: Die Herausforderung Schulübergang meistern: Wie Sie die Selbständigkeit Ihres Kindes fördern.

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