VBE: Bildungsgerechtigkeit in Deutschland ist eine leere Phrase

Berlin (pm) – “Der Bildungsfinanzbericht ist eine Dokumentation von Überfliegern und Schlusslichtern. Er offenbart erneut die ungleiche Finanzierung der allgemeinbildenden Schulen in Deutschland. Wer Bildungsungerechtigkeit in Zahlen ausgedrückt haben möchte, hat hiermit eine passende Lektüre gefunden”, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) den heute vorgelegten Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes, welcher im Auftrag des Bundesbildungsministeriums und der Kultusministerkonferenz erstellt wurde.

In Relation zum Bruttoinlandsprodukt gaben die Bundesländer 2015 für öffentliche Bildungsausgaben zwischen 3,3 Prozent (Baden-Württemberg) und 5,2 Prozent (Sachsen-Anhalt) aus. Pro Schülerin und Schüler an allgemeinbildenden Schulen werden im Bundesdurchschnitt 7.100 Euro ausgegeben. Die Ausgaben gehen aber stark auseinander. In den ausgabestärksten Bundesländern Bayern, Berlin, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden über 8.000 Euro aufgewendet, in Bayern sogar fast 9.000 Euro. Im Schlusslicht Nordrhein-Westfalen werden gerade einmal 6.200 Euro ausgegeben. Der Bundesvorsitzende macht deutlich: “Bei fast 3.000 Euro Unterschied bei den Aufwendungen pro Kind nimmt die Politik billigend in Kauf, dass Bildungsgerechtigkeit in Deutschland eine leere Phrase bleibt. Die Bildungschancen eines Kindes hängen stark von dem Wohnort ab. Damit sich das ändert, muss das Kooperationsverbot für den Bildungsbereich fallen. Nur so kann ein Ausgleich erwirkt werden.”

Das Bildungssystem Deutschlands ist von den Schlusslichtern aus gesehen doppelt unterfinanziert. Da Deutschland insgesamt im internationalen Vergleich zu wenig investiert, verlieren sie doppelt. In dem Bericht “Bildung auf einen Blick”, der 2016 von der OECD veröffentlicht wurde, ist herausgearbeitet worden, dass Deutschland (als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts) nur 0,6 Prozent in den Primarbereich investiert. Im OECD-Schnitt sind es 1,5 Prozent. “Wir sehen eine deutliche Unterfinanzierung der Grundschule. Gerade hier soll der Grundstein für das weitere Lernen gelegt werden. Gerade hier wird Inklusion und Integration gelebt, ist die individuelle Förderung die höchste Maxime. Wenn die Politik, wie ja oft behauptet wird, in der Bildung den Schlüssel für weiteren Lebenserfolg, Teilhabe und Integration sieht, sollte sie auch für eine solide Finanzierung sorgen”, stellt Beckmann fest.

Pressemeldung des Verbandes Bildung und Erziehung vom 15.12.2016.

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