Zahlreiche weitere Kinder grundlos an Förderschulen

Diagnostik muss aus der Hand der Schulen genommen werden

Lauf (pm) – Nenad und Marcel sind keine Einzelfälle. Der Bayerische Elternverband kann weitere Fälle von Kindern nennen, die grundlos eine Förderschule besuchen müssen oder mussten. Neben Kindern aus Zuwandererfamilien, die die deutsche Sprache nicht richtig beherrschen, sind dies vor allem Schülerinnen und Schüler aus prekären oder schwierigen Familienverhältnissen, denen die häusliche Unterstützung fehlt, Autisten sowie ADHS- oder verhaltensauffällige Kinder. Zu oft stellt sich erst spät heraus, dass ihre Intelligenz vollkommen normal ist und dass lediglich versäumt wurde, eine Barriere zu identifizieren und zu beseitigen.

“Dass Sonderpädagogen dergleichen ‘passiert’, kann nicht als harmloses Versehen hingenommen werden”, sagt Martin Löwe, der Landesvorsitzende des bayerischen Elternverbands e. V.. Desgleichen könne es nicht angehen, dass eigens für die Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen ausgebildete Sonderpädagogen genau das Gegenteil von ihrer eigentlichen Aufgabe bewirkten, indem sie Kinder bremsten anstatt sie zu fördern. In den vorliegenden Fällen wurden bei der Diagnostik schwerwiegende Fehler gemacht. Dass aber deren vorgeschriebene Überprüfung gänzlich ausgefallen sei, vollende schließlich den Skandal.

“Die Diagnostik ist eine zentrale Stellschraube in diesem System”, führt Löwe weiter aus. “Wir erleben leider, dass hier immer wieder folgenschwere Irrtümer passieren. Da sowohl die Förderschule wie auch die allgemeine Schule ein Interesse daran haben können, dass ein aufwändig zu beschulendes Kind die Förderschule besucht, ist es dringend geboten, die Aufgabe der Diagnostik aus den Händen der Pädagogen zu nehmen und einer unabhängigen und außerschulischen Stelle zu übertragen.”

Der Schmerz, in ihrer Entwicklung ausgebremst und sozial ausgegrenzt worden zu sein, werde diese Kinder unwiderruflich ihr Leben lang begleiten. Der Bayerische Elternverband hofft daher, dass derartige Fehler mindestens Schadenersatzansprüche nach sich ziehen. Fehlerhaft arbeitende Sonderpädagogen müssten aus dem Verkehr gezogen werden.

Pressemitteilung des BEV Nr. 11/2016 vom 22. Oktober 2016 zur WDR-Dokumentation „Für dumm erklärt – Nenads zweite Chance“.

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