Zuwendung darf nicht von Zeugnisnoten abhängen

BLLV-Präsidentin Fleischmann appelliert an Eltern, Kinder wegen schlechter Noten nicht zu schimpfen, sondern zu ermutigen / Sitzenbleiben sollte abgeschafft werden

München (pm)Der Zeugnistag ist für viele Kinder und Jugendliche ein Tag, an dem sie besonders viel Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen. „Gleichgültig wie das Zeugnis ausfällt, ob das Klassenziel erreicht wurde oder nicht – Eltern, die besonnen und liebevoll reagieren, helfen ihren Kindern am meisten“, appellierte die  Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, anlässlich der Zeugnisvergabe am Freitag an die Eltern. Gute Leistungen sollten in jedem Fall anerkannt, nicht als selbstverständlich hingenommen werden. Schlechte Leistungen dürften kein Anlass für dramatische Szenen, Vorwürfe oder Strafen sein. In den meisten Fällen nagten schlechte Noten ohnehin am Selbstwertgefühl junger Menschen. „Die Ferienzeit ist unbedingt zur Erholung zu nutzen“, sagte Fleischmann. Der Schulalltag verlange den Kindern und Jugendlichen viel ab. „Sie haben sich die Pause nicht nur verdient, sie brauchen sie auch.“ In den ersten Ferienwochen sollten sich alle Kinder und Jugendliche erholen und die Bücher im Schrank lassen. Die zweite Ferienhälfte – oder die letzten beiden Wochen – könnten zum Wiederholen und Üben genutzt werden. „Auch dabei sollte jedoch nicht übertrieben werden.“

Für Schülerinnen und Schüler, die das Klassenziel nicht erreicht oder den Übertritt auf die gewünschte Schule nicht geschafft haben, ist der Zeugnistag besonders schwer. „Sie bekommen es sozusagen noch einmal ‚schwarz auf weiß‘ präsentiert, dass sie in diesem Schuljahr versagt haben. Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist das schlimm und löst fast immer negative Gefühle und Selbstzweifel aus“, sagte Fleischmann. Deshalb sei es umso wichtiger, gerade diese Kinder zu unterstützten und nicht zusätzlich zu demotivieren, indem sie kritisiert, geschimpft oder gar bestraft würden. Grundsätzlich sei zu bedenken, dass sich in vielen Fällen hinter Schulversagen andere Probleme wie Entwicklungsstörungen, schwierige Familienverhältnisse oder ungünstige Lernbedingungen verbergen und die betroffenen Kinder Hilfe brauchen.“ Der BLLV schätzt die Zahl der Schüler/innen, die in Bayern an allgemein bildenden Schulen das Klassenziel nicht erreichen, auf rund 30.000 und fordert seit langem, das Sitzenbleiben ganz abzuschaffen.

Auch bei schlechten Noten im Zeugnis sollten Eltern Verständnis zeigen und Vertrauen signalisieren. Enttäuschung, Wut und Ärger seien fehl am Platz. „Heranwachsende müssen wissen, dass Zuneigung und Aufmerksamkeit nicht von ihrer schulischen Leistung abhängen.“ In Einzelfällen könnten Ausgrenzung, Versagensängste und Vereinsamung junger Menschen zu kritischen Reaktionen führen.

Grundsätzlich sollten Eltern ihre Kinder nicht überfordern und sie durch teuren Nachhilfeunterricht auf eine Schulart „trimmen“. Eltern, die ihr Kind während des gesamten Schuljahres hindurch unterstützend begleiten, kennen den Leistungsstand ihres Kindes und sind von den Zeugnisnoten nicht überrascht. Hilfreich seien in jedem Fall immer Gespräche mit der jeweiligen Lehrkraft. Überraschungen am Zeugnistag gebe es dann erst gar nicht. Kinder, die wegen schlechter Noten Angst vor dem Nachhause-Kommen haben, sollten sich unbedingt an Schulpsychologen und Vertrauenslehrer wenden, sagte Fleischmann.

Gute Leistungen sollten nicht einfach übergangen oder kommentarlos zur Kenntnis genommen werden. „Kinder möchten Freude und Stolz ihrer Eltern über ein gutes Zeugnis spüren. Sie haben in den meisten Fällen hart dafür gearbeitet und sich Lob und Anerkennung verdient.“

Pressemeldung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) vom 28.7.2015.

 

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