Zwischenzeugnis – was zählt, ist die Note

BLLV -Präsidentin fordert anlässlich der Zeugnisvergabe ein Umdenken: „Pädagogischer wäre es, den individuellen Lernfortschritt eines Schülers in den Mittelpunkt zu stellen“ 

München (pm) - Am Freitag sind sie wieder großes Thema: Die Zwischenzeugnisse, „Leistungsstandberichte“ oder „Notenauszüge“. Inzwischen gibt es  auch eine ganze Reihe von alternativen Möglichkeiten, wie Noten gebildet werden.  „Im Kern hat sich aber nicht viel verändert“, kritisierte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, heute in München. Nach wie vor spielten Noten eine zu große Rolle. „Sie entscheiden über Bildungsbiografien junger Menschen und haben deshalb einen sehr hohen Stellenwert.“ Aus ihrer Sicht wäre es viel sinnvoller, den individuellen Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt zu stellen – und nicht die Note. Die in den ersten beiden Grundschuljahren eingeführten Lernentwicklungsgespräche begrüßt der BLLV daher sehr. „Ihr Wert verliert sich aber, wenn sich am Ende der Grundschulzeit wieder alles nur um die zu erreichende Übertrittsnote von 2,33 dreht.“

Zeugnisse! Foto: Nils Fabisch_pixelio.de

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„Alle Schülerinnen und Schüler wünschen sich gute Noten. Und vor schlechten Noten haben viele Angst. Manche Kinder oder Jugendliche werden auf der Jagd nach guten Noten regelrecht krank“, sagte Fleischmann heute in München.

Weil sich schlechte Noten immer negativ auf die Lernbereitschaft und Motivation auswirken würden, fordert die BLLV-Präsidentin ein Umdenken und regt eine differenzierte und individuellere Leistungsbewertung an. „Es ist doch pädagogisch viel sinnvoller und gewinnbringender, wenn der individuelle Lernfortschritt eines jeden Schülers im Mittelpunkt steht und nicht die Note, die sich am Leistungsstand aller orientiert. Ein Grundschulkind, das in einem Diktat immer über 20 Fehler gemacht hat und nun nach viel Übung nur noch zehn Fehler macht, bekommt trotzdem eine schlechte Note. Das ist nicht motivierend.“

Bei schlechten Noten empfiehlt Fleischmann, Ruhe zu bewahren und von Strafen abzusehen. Aus Erfahrung wisse sie, dass sie für viele Kinder wochenlanges zusätzliches Lernen in privaten Nachhilfeinstituten bedeuten. Besonders unter Druck gerieten Grundschulkinder der vierten Jahrgangsstufen: „Wenn sich vermuten lässt, dass die Noten für den Besuch eines Gymnasiums nicht reichen, geraten viele Eltern in Panik.“

Fleischmann verstehe die Ängste der Eltern. „Sie sollten sich aber vor Augen führen, dass kein Kind gerne schlechte Noten schreibt“, sagte die BLLV-Präsidentin. Sie könnten versuchen, ihrem Kind zu helfen: „Es gibt z.B. Strategien der Stressbewältigung, die schon Kinder lernen können.“ Schülerinnen  und Schüler profitierten auch sehr davon, mit Gleichaltrigen zu lernen. Manchmal erübrige sich dadurch die Nachhilfe. Ein ruhiger und besonnener Umgang mit allen Herausforderungen rund um die Schule, ist sehr hilfreich. Umgekehrt dürften gute Noten nicht einfach so zur Kenntnis genommen werden. „Die meisten Schülerinnen und Schüler haben hart dafür gearbeitet und freuen sich über Anerkennung und Lob.“

In den relativ neu eingeführten „Lernentwicklungsgespräche“ in den ersten beiden Grundschulklassen sieht Fleischmann die große Chance, die Situation zu entkrampfen. Lehrkräfte und Eltern hätten mit dem freiwilligen Angebot bereits gute Erfahrungen gemacht. Sie regte daher an, das Angebot  auf andere Schularten und Jahrgänge auszudehnen, „denn sonst verpufft deren Wirkung.“

Pressemeldung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands vom 17.2.2016.

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